Häufigste Erkrankungen bei Wellensittichen

Kropfkanüle oder Kropfsonde bei einem Wellensittich
In diesem Newsletter stelle ich dir die häufigsten Erkrankungen bei Wellensittichen vor. Als Halter ist es extrem wichtig, dass man von einigen Krankheiten und deren Symptomen schon mal gehört hat. Du kannst auf diese Weise schneller reagieren und rechtzeitig einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen. Außerdem versteht man besser, warum eine Eingangsuntersuchung sowie eine Quarantänezeit nötig sind.

Für den Artikel brauchst du kein Studium. Alles ist kurz, knackig und vor allem einfach erklärt! Die im folgenden genannten häufigsten Erkrankungen bei Wellensittichen sind alphabetisch sortiert. Leider gibt es kaum Statistiken, die eine genaue Verteilung der Häufigkeit wiedergeben. Die wenigsten Vogelpraxen führen darüber Buch und veröffentlichen die Ergebnisse. Schade eigentlich, denn das wäre zusätzlich interessant gewesen. Auf geht’s mit den Kurzprofilen!

Kurzprofile zu den häufigsten Erkrankungen

Aspergillose

Aspergillose wird von Tierärzten auch gerne als „Mykosen des Respirationstraktes“ gezeichnet. Das heißt auf Deutsch: da schimmelt es mächtig in der Lunge! Dass das nicht so gut ist, kann sich jeder vorstellen! Der bei unseren Wellensittichen am häufigsten vorkommende Schimmelpilz heißt „Aspergillius fumigatus“. Da Apergillose selten von Haltern rechtzeitig erkannt wird, zählt er zu den häufigsten Todesursachen bei Papageien und Sittichen. Charakteristisch für eine Pilzerkrankung der Luftsäcke ist ein leichtes Knacken in der Atmung. Bei betroffenen Wellis kann man beobachten, dass sie sich mit dem Schnabel am Gitter einhängen und den Hals überstrecken, um besser Luft zu bekommen. Halter bemerken zudem oft eine verschlechterte Flugfähigkeit ihrer Vögel und pumpen beim Atmen. Auslöser für Aspergillose ist oftmals eine nicht artgerechte Haltung. Dazu zählen: schlechte Raumluft, zu geringe Luftfeuchtigkeit, Fehlernährung und minderwertiges Futter sowie Stress und eine zu hohe Besatzdichte.

Kropfentzündungen

Kropfentzündungen entstehen entweder durch Infektionen oder durch Fremdkörper. Letzteres kommt bei unseren Wohnungsvögeln besonders häufig vor. Knabbert ein Wellensittich gerne an Stoffen oder Seilen, solltest du diese entfernen. Eine Entzündung des Kropfes äußert sich durch Erbrechen von Körnern und Schleim, der auch übel riecht. Bei solchen Symptomen verliere keine Zeit und suche sofort einen vogelkundigen Tierarzt auf!

Legenot

Wellensittiche Blog Legenot bei Wellensittichen WindeiLegenot besteht, wenn ein Ei nicht gelegt werden kann. Daher kündigt sich Legenot oft ohne Vorwarung an. Ursache sind häufig Eierschalenveränderungen, wie Wind-, Bruch- oder rauschalige Eier. Weitere Gründe sind Veränderungen an Kloake und Eileiter oder Infektionen. Zu den begünstigenden Faktoren einer Legenot gehören unter anderem auch hier wieder Mangelernährung, Adipositas (Fettleibigkeit) und Stress. Gerade sogenannte „Dauerleger“, also Wellensittiche, die zu häufig Eier legen oder zu oft zur Brut angesetzt werden, sind besonders häufig betroffen. Um Legenot vorzubeugen, sollte man seine Vögel ausreichend mit Kalzium, Vitamin D3 und Vitamin A versorgen. Als Privathalter ist man gut beraten, wenn man die Brutigkeit von vornherein versucht zu unterdrücken. Eigene Nachzuchten sind zwar niedlich, setzen aber Erfahrung voraus und stellen immer auch ein hohes Risiko für die Weibchen dar.

Macrorhabdiose

Bei Macrorhabdiose handelt es sich um einen Hefepilz. Früher dachte man, es sei ein Bakterium, weshalb die Erkrankung auch heute noch oft als Megabakterien, Megas oder Going-Light-Syndrome bezeichnet wird. Ganz simpel ausgedrückt, verhindert der Hefepilz, dass Nahrung richtig verdaut und Nährstoffe aufgenommen werden können. Macrorhabdiose ist mies! Oftmals erkennt man sie nicht sofort unter dem Mikroskop. Als Halter wunderst du dich, warum ein angeblich gesunder Vogel teilnahmlos auf der Stange sitzt. Ersichtlich wird die Krankheit erst, wenn der Wellensittich Körner und Schleim erbricht oder unverdaute Körner im Kot ausscheidet. Es ist daher empfehlenswert, dass man bei der Eingangsuntersuchung immer ein Kropfabstrich und eine Kotprobe im Labor untersuchen lässt. Entgegen vieler Meinungen lässt sich Macrorhabdiose gut behandeln. Handelt man als Halter schnell und sucht einen kompetenten vogelkundigen Tierarzt auf, dann müssen Megas kein Todesurteil sein!

Milben

Wellensittich schwerer Milbenbefall
März 2017 vor der Behandlung

Milben (auch: Grab- oder Räudemilben) zählen vermutlich zu den am häufigsten vorkommenden Erkrankungen bei Wellensittichen. Da die Parasiten nur 0,3 x 0,4 mm klein sind, erkennt man die Schäden im Anfangsstadium oft nicht. Viele Laien denken, dass es nur Kratzer auf dem Schnabel sind, die irgendwann von selbst verschwinden werden. Leider wird zum Leidwesen der Tiere oft zu lange mit der Behandlung gewartet oder diese überhaupt nicht durchgeführt. Im schlimmsten Fall verliert der Wellensittich seinen Schnabel und muss eingeschläfert werden. Eigenes Herumprobieren mit Tipps aus dem Internet oder Sprays aus dem Zooladen fügen dem betroffenen Vogel nur weiteres Leid zu. Zudem ist eine lokale Anwendung nicht ausreichend. Es ist daher zwingend notwendig, die Milben durch einen vogelkundigen Tierarzt behandeln zu lassen. Dort erhält der Wellensittich ein Spot on-Präparat, dass über die Haut aufgenommen im ganzen Körper wirkt. Zum Thema Milben gibt es einen ausführlichen Blogbeitrag und ein Video.

PBFD und Polyoma

PBFD steht für Psittacine beak and feather disease und bedeutet übersetzt „Schnabel- und Federkrankheit“. Oftmals wird PBFD und Polyoma synonym verwendet, da die Krankheitsanzeichen bei Wellensittichen sich sehr ähneln. Sowohl Circoviren als auch Polyomaviren rufen Gefiederstörungen hervor. Beide Krankheiten äußern sich oft in Form kaputter oder fehlender Federn. Besonders häufig betroffen sind die Schwungfedern und die Schwanzfeder, sodass der Welli nicht mehr fliegen kann. Die Virusverbreitung erfolgt mit dem Kot. Auch über Federn und beim Füttern wird der Virus übertragen. Achtung! PBFD und Polyoma sind nicht heilbar. Betroffene Wellensittiche bleiben Dauerausscheider der Viren. Bei Jungtieren gibt es eine erhöhte Kükensterblichkeit. Infizierte Wellensittiche sollten möglichst von gesunden Papageien getrennt werden. Mit PBFD- oder Polyoma positiven Vögeln darf auf keinen Fall gezüchtet werden!

Trichomonaden

Trichomonaden sind kleine Parasiten, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Die Parasiten werden durch gegenseitiges Füttern übertragen. Eine Übertragung mit dem Trinkwasser spielt ebenso eine große Rolle. Im Wasser können Trichomonaden bis zu 26 Stunden überleben. Wichtig zu wissen: auch über Äste von draußen kann man sich diese Parasiten eingeschleppen. Daher sollte der Schwarm regelmäßig von einem vogelkundigen Tierarzt untersucht werden.

Tumore

Tumore unterscheidet man in gutartig und bösartig. Zu den gutartigen Tumoren gehören zum Beispiel Fettlipome (auch: Fettgeschwülste). Durch gute Fütterung und viel Bewegung lassen sich Lipome oft verhindern. Die bösartigen Tumore können leider viele Organe befallen: Leber, Nieren, Milz und Hoden, um nur einige zu nennen. Tumore lassen sich bei Wellensittichen äußerst selten operieren. Leider bleibt oft am Ende nur das Einschläfern, um dem Vogel einen qualvollen Tod zu ersparen.

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Alle vogelmedizinischen Informationen zu den häufigsten Erkrankungen bei Wellensittichen sind sorfältig recherchiert, dennoch kann keine Gewähr auf Richtigkeit übernommen werden. Das zugrundeliegende Werk ist das Kompendium der Ziervogelkrankheiten: Papageien – Tauben – Sperlingsvögel (Affiliate-Werbelink), Kaleta, Krautwald-Junghanns, Schlütersche; Auflage: 4., überarbeitete Auflage. (28. September 2011). Bei Fragen zu Krankheitsbildern bei euren Wellensittichen wendet euch an euren vogelkundigen Tierarzt!