
Das Leben ist unfair. Da denkt man, dass man dem Schicksal ein Schnippchen geschlagen hat und dann erwischt es einen eiskalt. Dabei sah es so gut für uns aus!
Gestern war wieder einer der Tage, von denen ich in den letzten zwei Jahren bereits genug hatte. Nach Piumina, Antonella, Pulcina und Violetta ist nun auch mein Seelenvogel Chiocciolina von uns gegangen. Einfach so. Völlig unerwartet. Ich stehe noch unter Schock!
Chiocciolina fand im August 2014 mit Filuzzo einen ruhigen und treuen Partner, der ihr auch in schweren Stunden beistand, sie fütterte und ihr Köpfchen kraulte. Er war es auch, der sie die zwei Wochen in der Vogelpraxis nicht alleine ließ, nachdem Chiocciolina am 7. März 2017 morgens mit einem sehr starken Krampfanfall am Käfigboden lag. Es war Glück im Unglück, dass ich sie gesehen habe, da in aller Früh beim Füttern und Säubern der Voliere noch alles in Ordnung zu sein schien. Kurz vorm Verlassen der Wohnung hatte ich nochmal ins Vogelzimmer geschaut. Erst dachte ich, sie hätte sich mit ihren Krallen im Seil verheddert, da sie so merkwürdig zuckte. Als ich am Käfig angekommen war, stürzte das kleine Welli-Mädchen zu Boden und krampfte dort. Ich schrie und weinte, da ich dachte, sie würde sterben. Mein Freund kam angelaufen und setzte Chiocciolina in die Transportbox, wo sie sich weniger verletzen konnte. Es war kurz vor 7 Uhr und die erste Vogelpraxis öffnete um 9 Uhr. Wie durch ein Wunder schaffte es mein kleines Kämpferherz trotz der zweistündigen Kämpfe durchzuhalten.
Irgendwie schaffte ich es am Gründonnerstag halbwegs gefasst den Arbeitstag zu überstehen. Auf dem Weg nach Hause ging ich in ein Gartencenter, um Blumen für das Grab zu besorgen. Als ich das Center betrat und den Refrain des Songs High von der Lighthouse Family hörte, war es entgültig um mich geschehen und meine Tränen liefen mir in Strömen über das Gesicht.
And at the end of the day
you will remember the way
we stayed so close till the end
we’ll remember it was me and you
cause we are gonne be forever you and me
you will always keep me flying high in the sky of love.Lighthouse Family – High (1997)
Im Gartencenter kennt man mich schon: Nachdem ich vor zwei Jahren das halbe Center in den Wahnsinn getrieben habe mit der Bestellung einer ungespritzten Bio-Korkenzieherhasel und sich letztes Jahr der Mitarbeiter nach der einstündigen Beratung über Möhrensamen mit „viel Grün und wenig Möhre“ beinahe mit dem nächstbesten Tonuntersetzter erschlagen hätte, wunderte man sich dort nur noch wenig darüber, dass ich gestern schluchsend und heulend vor den bunten Übertöpfen stand.
Mit einem „Tränenden Herz“ für Chiocciolinas Grab und je einer Blume für Pulcina und Violetti ging ich wenig später nach Hause. Obwohl schlechtes Wetter angesagt war, brach die Wolkendecke plötzlich auf und das goldene Abendlicht begleitete mich zusammen mit dem Glockengeläut der nahgelegenen Kirche bis zur Haustür. Drinnen war es ungewöhlich still: Das fröhliche Gezwitscher, dass mich sonst bereits an der Wohnungstür empfängt, war erstummt. Alle saßen bereits auf ihren Schlafschaukeln. Nur eine Schaukel war noch frei und wird es für immer auch bleiben…
Lebe wohl, meine kleine Prinzessin <3