„Woher bekomme ich Wellensittiche?“ ist das Thema der 6. Folge von Basiswissen Wellensittiche. Die ersten fünf Folgen dienten der Information und den Überlegungen vor der Anschaffung.
Als (zukünftiger) Wellensittichhalter bist du inzwischen mit dem Basiswissen vertraut und auch Käfig & Freiflugzimmer sind für die tierischen Mitbewohner hergerichtet. Jetzt stellt sich die Frage, woher du deine Wellensittiche bekommst. Klingt einfach, aber es viele Möglichkeiten…
1. Tierhandlungen, Zoofachgeschäft, Baumärkte
Am naheliegensten ist der Kauf in der Zoohandlung. Die Verkaufsvolieren sind meistens schön und sauber eingerichtet. Also eine gute Wahl? Leider kommen diese Tiere oft von Großhändlern oder sind „Ausschussware“ von Züchtern aus der Region. Gerade letzteres ist tückisch, da man sich unter der Bezeichnung ‚(kleiner) Züchter aus der Region‘ eine tolle Haltung vorstellt und glaubt, einen guten Kauf gemacht zu haben. Leider wurde mir schon oft von befreundeten Mitarbeitern in Zooläden bestätigt, dass Züchter in solchen Geschäften ihre Küken oder Alttiere verkaufen, die sie auf normalem Wege nicht los werden. Das muss nicht zwingend bedeuten, dass die Wellensittiche automatisch krank sind, aber die Wahrscheinlichkeit für einen Laien einen kranken oder alten Vogel zu erwischen, ist hoch. Oftmals gibt es in Zooläden kein vogelkundiges Personal, das solche Tiere rechtzeitig erkennt und behandeln lässt. Auch der zuständige (Amts-)Tierarzt, der alle paar Wochen mal vorbeischaut, ist in den allerseltensten Fällen vogelkundig. Und selbst wenn, ein Vogel, der vom Laden mit einem Einkaufspreis von rund 5 Euro eingekauft worden ist, wird nicht für 150 Euro behandelt.
Ich selber habe schon oft die Erfahrung machen müssen, dass die Wellensittiche aus Zoogeschäften erbkrank sind (Angelino), Parasiten haben (Piumina) und insgesamt eine sehr schlechte Gesundheit haben (Pepita). Alle, in Tierhandlungen gekauften Wellis, sind trotz sehr teuer Behandlung durch einen vogelkundigen Tierarzt nach wenigen Wochen/Monaten gestorben. Von einem Kauf in Zooläden ist daher dringend abzuraten. Das gleiche gilt natürlich erst recht für den Kauf in Baumärkten, da dort die Herkunft der Tiere und das Unwissen der Mitarbeiter noch katastrophaler ist!
2. Züchter
Als nächstest kommen einem Züchter in den Sinn. Leider muss man auch hier sagen, dass die Qualität sehr unterschiedlich ist, da es für die Zucht von Wellensittichen keine gesetzlichen Regelungen mehr gibt und sich darüber hinaus, jeder als Züchter bezeichnen darf. Eine große Zuchtanlage und viele Preise bei Ausstellungen sind ebenfalls nicht aussagekräftig in Bezug auf die Gesundheit der Vögel. Auch kleinere Züchter können in liebevoller Hobbyzucht gute Ergebnisse hervorbringen. Unbedingt hüten solltet ihr euch vor Lockangeboten von Züchtern, die handzahme Wellensittiche anpreisen. Dahinter stecken mehrere Gründe.
Wellensittichküken haben anfangs noch einen Duckreflex, da sie noch nicht oder noch nicht gut fliegen können. Das nutzen unseriöse Züchter aus, um niedliche Fotos von angeblich superzahmen Wellis zu machen. Abgesehen von der Tatsache, dass diese Tiere zu völlig überteuerten Preisen angeboten werden und dass die angebliche Zahmheit in der Regel nach der 12. Lebenswoche verschwindet und die traumatisierten Vögel nur noch vor ihren Besitzern reißaus nehmen, sind diese viel zu jungen Wellensittiche oftmals zum Zeitpunkt des Verkaufes noch nicht futterfest! Man hört bedauerlicherweise sehr oft von einer extrem hohen Kükensterblichkeit durch Mangelernährung und durch, von Nährstoffmangel ausgelöste gesundheitliche Probleme. Küken werden nach dem Verlassen der Bruthöhle noch ein paar Wochen von ihren Eltern (meistens dem Vater) zugefüttert, bis die Nahrungsaufnahme völlig selbstständig geschied. Daher Finger weg von Küken unter 12 Wochen!
Weitere Gründe, warum man Lockangebote immer hinterfragen sollte, sind: a) gestutze Flügel (tierschutzwidrig/verboten!) oder b) Gefiederkrankheiten wie PBFD (zieht eine hohe Kükensterblichkeit mit sich). Wer wenig Erfahrung in der Wellensittichhaltung hat, erkennt solche Behinderungen oder Manipulationen leider nicht. Wenn euch das Gefieder komisch oder die Schwungfedern unvollständig vorkommen, dann lasst euch bitte nicht einreden, der Vogel sei gerade in der Mauser. Entweder ist er viel zu jung oder krank! Wer einige meiner persönlichen Erfahrungsberichte zum Thema Züchter lesen möchte, kann auf folgenden Seiten fündig werden: Chiocciolina, Antonella und Pulcina.
Lasst euch beim Kauf eurer Wellensittiche die Elterntiere zeigen, schaut euch kritisch die Unterbringung an und fragt nach, was der Züchter füttert, wer der behandelnde Tierarzt ist, wie oft dieser zur Kontrolle kommt, wie oft ein Paar im Jahr zur Brut angesetzt wird (nicht mehr als zwei Mal!) und lasst euch nicht mit Ausreden und Entschuldigungen abspeisen! Am besten nehmt ihr eine neutrale Person mit, die bei Welliküken nicht gleich Herzchenaugen bekommt, sondern alles nüchtern betrachtet. Vereinbart zudem immer zwei Termine, damit man beim ersten Termin nicht gleich eine Entscheidung treffen muss und die Vögel spontan kauft. Unterstützt keine unseriösen Vermehrer durch Mitleidskäufe, sondern meldet schlechte Haltungen dem Amtstierarzt!!!
3. Kleinanzeigen und Onlineverkaufsbörsen
Als Neuling in der Wellensittichhaltung sollte man tunlichst die Finger von solchen Verkaufsanzeigen lassen. Oftmals treiben auf Kleinanzeigen & Internetbörsen professionelle Tierhändler oder Vermehrer ihr Unwesen. Getarnt als Privatpersonen bieten sie Tiere an, die sie oftmals unter tierschutzwidrigen Bedingungen selbst vermehren oder irgendwo krank für wenig Geld erworben haben. Ironischerweise wurde ich eben, als ich diesen Artikel geschrieben habe, von einer aufmerksamen Leserin über Facebook darauf aufmerksam gemacht, dass jemand Bilder meiner (verstorbenen) Wellensittiche nutzt, um seine Tiere zu verkaufen. Ich denke, das Beispiel und sein Text dazu zeigen
mehr als deutlich, warum ich vor Kleinanzeigen ausdrücklich warne!!! Einen weiteren spannenden Erfahrungsbericht zu diesem Thema könnt ihr hier lesen, denn trotz langjähiger Erfahrung bin auch ich vor zwei Jahren auf solch einen Menschen reingefallen.
4. Tierheime, Pflegestellen und admingeführte Wellensittich-/Papageien-Foren
Zu jeder Jahreszeit, besonders aber in den Sommerferien, quellen Tierheime und Pflegestellen vor Abgabewellensittichen über. Entgegen der meisten Erwartungen landen leider auch sehr viele Jungtiere von überforderten oder schnell gelangweilten Besitzern in der Vermittlung. Alleine in den letzten 12 Monaten war ich als Pflegestelle in die Vermittlung von drei kompletten Welli-Familien inklusive der Küken involviert, weil sich in allen Fällen die Halter nicht richtig erkundigt hatten und Nistkästen angeboten haben. So wurden aus anfänglich zwei Tieren innerhalb von 4 Monaten jeweils ein ganzer Schwarm. Daher auch an dieser Stelle nochmal: Bietet keine Nistkästen oder Nistmöglichkeiten an!
Wer kein Tierheim oder keine Pflegestelle in der Nähe hat, kann auf admingeführten Wellensittich-Foren nach passenden Vögeln ausschau halten. Hier vermitteln unter den kritischen Augen der Admins Wellensittichhalter untereinander – meist kostenfrei – ihre Lieblinge. Zu empfehlene Foren sind welli.net und das vwfd-forum.de. Auf Facebook kann man sich in den Gruppen Notfedern, Federn in Not, Vermittlung Sittiche, Kanaren und Exoten sowie Papageienvermittlung & Beratung umschauen. Für die Region Berlin – Brandenburg weise ich auch gerne auf unsere Vermittlungsseite hin. 🙂
Hier jetzt wieder das passende Video und eine anonyme Umfrage unter meinen Lesern. Bei der letzten Umfrage haben sehr viele mitgemacht und – zumindest unter meinen Lesern – haben 78 % einen gemischten Schwarm und 74,5 % haben drei Wellensittiche oder mehr! Super 😀

Die kleine Schwarmchefin hatte es nie leicht gehabt: Sie stammt aus einer verantwortungslosen Zucht und kam bereits mit mehreren organischen Vorerkrankungen am 23. Januar 2014 im zarten Alter von sechs Wochen zu mir. Obwohl die Prognosen von Anfang an sehr schlecht standen, eine Dauermedikation verordnet worden ist und halbjährliche Röntgenbilder zur Routine gehören, hielt mein kleines Kämpferherz tapfer durch und genoss das Leben in einem immer größer werdenden Schwarm.
In der Praxis angekommen, wurde sie intensiv betreut, bekam Infusionen und Medikamente. Wir wussten schon aus vorherigen Untersuchungen, dass viele Organe Probleme hatten. Nach Tagen des Hoffens und Bangens wurde Chiocciolina zwei Wochen später mit einem Haufen Medikamenten entlassen. Obwohl sie zweimal täglich zur Medikamenteneingabe eingefangen werden musste und insgesamt sechs Medikamente verabreicht bekommen hatte, machte sie im Freiflug das Vogelzimmer unsicher, badete, schredderte Weidenkugeln und spielte in den Wühlkisten. Ganz vier Wochen und zwei Tage durften wir nach der Entlassung aus der Vogelpraxis noch zusammen verbringen, bis sie am 13. April 2017 mittags überraschend tot von meinem Freund aufgefunden worden ist. Kurz zuvor war er noch im Zimmer und es schien alles in Ordnung gewesen zu sein. Mein Freund zeigte mir später am Abend die Stelle, wo Chiocciolina lag, und erzählte mir, dass ihr Köpfchen leicht zur Seite zeigte – gerade so weit, um Filuzzo zu sehen, der auf seiner Lieblingsschaukel saß. Es gab vorher keine Anzeichen und auch im Einstreu sind keine Spuren eines Todeskampfes zu sehen. Wir hoffen sehr, dass die Kleine nicht lange leiden musste.
Die Nachricht meines Freundes traf mich in der Mittagspause auf Arbeit wie ein Schlag: Chiocciolina, mein kleiner Babybaustellenwelli, war immer mein Liebling gewesen. Sie war außerordentlich intelligent, bekam alles, was sie wollte, war frech und wenn sie Blödsinn gemacht hat, wusste sie genau, wie sie zu gucken hat, damit ich nicht schimpfe. Und sie war der hübscheste Wellensittich, den ich jemals hatte: In der Sonne glitzerten ihre Federn violett und ihre Augen waren immer offen und neugierig. Am meisten liebte ich es, wenn sie entspannt da saß und vor sich hin zwitscherte. Ihr glockenhelles Stimmchen war leicht von den anderen zu unterscheiden und beim Piepsen, hüpfte der ganze Köper mit. Der Anblick war einfach zu süß <3
Drei Jahr und drei Monate durften wir nur zusammen verbringen. Die meiste Zeit davon dicht an dicht in meiner Ein-Zimmer-Wohnung, was auch die enge Bindung erklärt. Nach dem Umzug in die größere Wohnung hatte ich so sehr gehofft, dass Chiocciolina noch den Außenbereich auf der Terrasse erleben kann, der für diesen Sommer geplant ist. Der Wunsch ist uns beiden nicht erfüllt worden.
