Hiobsbotschaften

Bei einem Papageientreffen wurde fröhlich in die Runde gefragt, ob jeder denn dieses Jahr schon mal beim vogelkundigen Tierarzt für den Jahrescheck war. Ich zwang mich zu einem Lächeln – ist die Vogelpraxis in den letzten Monaten doch zu so etwas wie meinem zweiten Zuhause geworden.

Eigentlich wollte ich meine freie Woche nutzen, um den zweiten Teil meines Videos über Beschäftigungsmöglichkeiten für Wellensittiche zu erstellen. Doch dann kam alles anders… Anfang Oktober berichtete ich von dem Bauchbruch (Hernie) bei Violetta. Da sie in Folge der Behandlung testweise Hormone (Durateston) bekam, sollte ich acht Wochen später zur Nachkontrolle kommen. Violetta geht es inzwischen auch wieder besser – nur leider ist ihr Gewicht dank Briciolino wieder von 49,8 g auf 59,9 g angestiegen.

Da ich die nierenkranke Chiocciolina zur ‚Kralliküre‘ mitnehmen wollte, fing ich beide Mädels schon am Abend vorher ein. Klar – es wurde lautstark protestiert und klar – man war bockig. Während Violetti, die eh schon einen Groll auf die Krankenbox hegte, fröhlich anfing den Käfig zu zerlegen, trat Chiocciolina in den Hungerstreik und saß wie versteinert auf dem oberen Seil.

Am nächsten Morgen wurden wir herzlich begrüßt – man kennt sich schließlich schon! Im Behandlungsraum wurden beide Mädels untersucht und mir geraten, von Chiocciolina ein Röntgenbild machen zu lassen. Ich tigerte derweil nervös durchs Wartezimmer, während ich im Behandlungsraum erst die eine, dann die andere Henne brüllen hörte. Ich versuchte mich zu beruhigen: „Solange meine Mädchen brüllen können“, sagte ich mir, „sind sie noch unter den Lebenden.“

Das Röntgenbild hingegen war weniger komisch und mir verschlug es fast die Sprache: Meine kleine Schnecke hat ein vergrößertes Herz, eine vergrößerte Leber, Pilzbefall der Atemwege und eingefallene Luftsäcke – zusätzlich zu der Niereninsuffizienz. Die Prognose der Tierärztin, „Wundern Sie sich nicht, wenn die morgens mal tot im Käfig liegt“, war ein Schock für mich, obwohl ich mit solch einer Diagnose etwas schon gerechnet habe, seit mein Baby vor zwei Jahren zu mir gekommen ist.

Daheim angekommen ging der Horror weiter: Während Violetta wieder durch das Zimmer watscheln konnte (ja, watscheln – daher auch der Spitzname „kleine Ente“), setzte Chiocciolina ihren Hungerstreik im Quarantänekäfig fort. Da half es auch nicht, dass sich der Schwarm solidarisch auf dem Käfig niederließ, von dort im wahrsten Sinne des Wortes auf das Antibiotikum schiss, ich den Innenraum mit Kolbenhirse spickte und Violetti von außen versuchte, die Gitterstangen zu schreddern.

Am Folgetag entschied ich mich, Filuzzo zu der Patientin in den Käfig zu setzen. Zwar frisst die Kleine immer noch nicht, aber lässt sich wenigstens von ihrem Partner füttern und kraulen – immernoch auf dem oberen Seil sitzend, auf dem sie nun schon seit vier Tagen wie versteinert ausharrt. Wenn das so weitergeht, dann frag ich mich, wie das Triplo an Baytril, Itrafungol und Catus/Crataegutt in den Vogel kommen soll.

Um mich abzulenken, bastle ich etwas an dem Layout meiner Seite. Der Blog auf der Startseite ist nun viel übersichtlicher und es gibt mit Fotoarchiv einen neuen Reiter. Derweil ist hier der totale Wahnsinn ausgebrochen: Ich bin permanent damit beschäftigt Violetta davon abzuhalten die Lackierung des Krankenkäfigs und/oder des Montana Cages zu fressen, Icaro und Briciolino hopsen laut quickend auf dem Dach über Filuzzo hinweg (ja, ich weiß, echte Liebe gibt es nur unter Hähnen) und Antonia brüllt sich die Seele aus dem Leib, in der Hoffnung beachtet zu werden. Nur eine sitzt da und streikt schweigend: Chiocciolina!

 

 

 

 

 

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