Violetta, werde gesund!

Seit letztem Wochenende bin ich gesundheitlich etwas angeschlagen und hatte mich daher auf ein ruhiges Wochenende gefreut, aber es kam alles anders.

Schon vor ein paar Tagen fiel mir die Atmung von Violetta auf. Wir waren ja gerade erst vor einem Monat zur Kontrolle und trotzdem gefiel mir irgendetwas nicht. Am Freitagabend nach der Arbeit sehe ich dann eine dicke Beule in der Kloakengegend und richtige Pumpatmung. Bei allen Ziervogelbesitzern gehen da natürlich die Alarmglocken an: Legenot?

Hektisch schaue ich auf die Uhr: Es ist kurz nach 18 Uhr, die Vogelpraxis ist bereits geschlossen und am Samstag ist Feiertag. Die Hektik droht in Panik umzuschlagen. Ich schreibe der Vogelpraxis trotzdem eine Mail – vielleicht habe ich ja Glück! Während ich den Tränen nahe in meinem Kompendium der Ziervogelkrankheiten blättere, watschelt Violetta mit den anderen auf dem Käfigboden rum und frisst ihr Abendbrot… „Oder das ‚Letzte Abendmahl'“, denke ich.

Violetta und Briciolino

Gegen 20.30 Uhr bekomme ich eine Antwort von Frau Doktor. Morgen ist offiziell geschlossen und ich solle mich im Notfall besser an eine andere Klink wenden… oder aber ich könnte morgen früh Violetti bei der Tierarzthelferin abgeben und sie würde dann im Laufe des Tagen nach der kleinen Patientin schauen. Ich atme erleichtert auf! Legenot kann zwar innerhalb von 12 Stunden für Wellensittiche tödlich sein, aber nach meiner Einschätzung ging ich davon aus, dass Violetta die Nacht übersteht.

Die Definition „morgen früh“ ist in der Regel recht relativ zu betrachten, vor allem, wenn es sich um einen Samstagmorgen handelt. Bei meinem Freund zum Beispiel heißt „samstagfrüh“ so etwas wie „man könnte sich ja mal vor dem Abendbrot blicken lassen“, ich hingegen schlief die Nacht nicht gut und stand vorsichtshalber um 6.30 Uhr auf. Violetti atmete derweil immer schwerer und drückte sich gegen die Gitterstangen. Ich wartete und wartete und wusch ab und wartete und wartete. Um kurz vor 8.30 Uhr dann der ersehnte Anruf. Wie der geölte Blitz schnappte ich mir Violetti, setzte sie in die Transportbox und packte diese mit mehreren Lagen Handtüchern auf eine Wärmflasche in einen Jutebeutel.

Für meine Mitreisenden in der U-Bahn mag der Anblick einer zerzausten jungen Frau, die ihren Jutebeutel herzte und liebvoll mit ihm sprach, etwas verwirrend gewesen sein… Also nicht die Tatsache, dass jemand eine emotionale Verbindung mit seinem Jutetäschen eingeht, sondern eher, dass dies im (fast) hipsterfreien Charlottenburg geschah.

In der Vogelpraxis angekommen, mussten wir uns auch schon verabschieden. Ich drückte meine Nase an die Transportbox und Violetti stupste mit ihrem Schnabel zart dageben – eigentlich unser Abendritual. Ich schluckte und ging.

Am Nachmittag kam der Anruf der Ärztin: Violetta muss noch bis mindestens Montag bleiben mit Verdacht auf einen Lungeninfekt und ein Ödem oder Tumor. Letzteres wird das Röntgenbild hoffentlich aufklären. Während ich telefonierte, ist weiterhin die Hölle los im Zimmer: Briciolino schreit seit Samstagfrüh und fliegt bis zur Erschöpfung durch das Zimmer, bzw. rastet im Käfig aus. Wir hoffen alle nur eines: Violetti, werde gesund!

 

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