Basiswissen Wellensittiche Teil 7 – Vogelkundige Tierärzte & Eingangsuntersuchungen

In Folge 7 der Serie „Basiswissen Wellensittiche“ geht es um die Fragen ‚Was ist ein vogelkundiger Tierarzt?‘ und ‚Warum ist eine Eingangsuntersuchung so wichtig?‘.

Beginnen wir mit der Frage, was ein vogelkundiger Tierarzt ist. Dieser Begriff sorgt bei Neulingen in der Vogelhaltung oft für Verwirrung. Unter einem „vogelkundigen Tierarzt“ versteht man einen spezialisierten Fachtierarzt für Geflügel & Ziervögel oder einen Tierarzt mit der Zusatzbezeichnung Zier-, Zoo- und Wildvögel. Ein normaler Kleintierarzt, der neben Hund, Katze, Maus, auch Wellensittiche oder andere kleine Vögel behandelt, ist kein vogelkundiger Tierarzt. Im allgemeinen Veterinärmedizinstudium ist der Bereich Vogelmedizin nur unzureichend vertreten. Wenn ihr also mit einem kranken Wellensittich zu einem normalen Kleintierarzt ohne Spezialisierung geht, wäre es das gleiche, als würdet ihr euch von einem Hautarzt am offenen Herzen operieren lassen. Eine blöde Idee, für jeden, der an seinem Leben hängt, oder? 😉 Auch wenn euer Kleintierarzt total nett ist und bei kleineren Dingen, wie Krallenschneiden immer gute Arbeit geleistet hat, sucht euch parallel schon eine Vogelpraxis oder eine Vogelklinik für den Ernstfall! Denn nur ein spezialisierter vogelkundiger Tierarzt hat zum einen das Wissen und zum anderen die Geräte und Medikamente für die Behandlung von Vögeln! Schaut daher vor der Anschaffung, wo der nächste Vogelspezialist bei euch in der Nähe ist.

Kropfsonde WellensittichHabt ihr eure Wellensittiche neu angeschafft, könnt ihr den vogelkundigen Tierarzt gleich „ausprobieren“ – und zwar für die Eingangsuntersuchung. Ich werde häufig gefragt, warum eine Eingangsuntersuchung so wichtig ist und ob das wirklich nötig ist. Meine Antwort als langjährige Vogelhalterin lautet ganz klar: JA! Im Laufe meiner über 24 jährigen Erfahrung mit Wellensittichen hätte ich mir ohne Eingangsuntersuchungen schon so viele Krankheiten in meinen Schwarm geholt, dass a) kein Wellensittich mehr am Leben und b) ich wegen permanenter Bestandsbehandlungen pleite wäre!

SchwarmzusammenführungIhr habt richtig gehört: Holt man sich mit einem Tier eine Krankheit in den Schwarm, müssen alle Vögel behandelt werden und das ist jedes Mal verdammt teuer. Eine Eingangsuntersuchung, bestehend auf einem Kropfabstrich, einer Kotprobe sowie der prophylaktischen Gabe von Ivomec gegen Milben, Spartrix gegen Trichomonaden und Panacur gehen Würmer, kostet ca. 40 Euro pro Vogel (+/- ein paar Euro, da der Tierarzt laut Gebührenordnung einen kleinen Spielraum hat). Werden alle Wellensittiche, die bei euch leben, am Anfang einmal auf eben genannte Weise untersucht und behandelt, werden diese häufig vorkommenden Krankheiten höchstwahrscheinlich nie ein Thema bei euch sein!

Oft erzählen oder schreiben mir Wellensittichhalter, dass ihnen der Züchter, der Zooladen oder der Vorbesitzer beteuert hätten, der Vogel sei gesund. Macrorhabdiose, Milben, Trichomonaden & Co. kann man aber nicht mit bloßem Auge erkennen, sondern nur unter einem Mikroskop (oder als Kultur im Labor). Wellensittiche, als Fluchttiere, sind Meister darin ihre Krankheiten und das damit verbundene Unwohlsein lange zu verbergen. Und natürlich erzählen euch Verkäufer, dass die Tiere gesund seien. Zum einen kann man das den Vögeln anfangs nicht ansehen und zum anderen wollen Verkäufer schließlich Geld mit dem Verkauf machen. Da behautet wird, dass Tiere vom Umtausch ausgeschlossen sind, lassen sich gerade Neulinge wunderbar hinters Licht führen, wenn es darum geht, alte und kranke Wellensittiche los zu werden. Kleiner Tipp: Geht ihr sofort zur Eingangsuntersuchung und euer vogelkundiger Tierarzt findet bei eurem Welli eine Krankheit, so muss der (gewerbliche) Verkäufer in der Regel die Tierarztkosten übernehmen. Lasst euch daher beim Kauf vom Züchter oder im Zooladen immer einen Kaufvertrag ausstellen, aus dem hervorgeht, um welches Individuum es sich handelt (Aussehen, Ringnummer, falls vorhanden, etwaiges Alter, Gesundheitszustand, etc.). Mir selber ist das mehrfach schon gelungen, Anschaffungspreis und Tierarztkosten in vollem Umfang erstattet zu bekommen. Da hat man ausnahmsweise mal Glück, dass Tiere vor dem Gesetz als Sache gelten (§ 90a BGB). Demnach muss der (gewerbliche) Verkäufer den Vogel ohne „Mängel“ verkaufen – gemeint sind hier zum Beispiel gesundheitliche Probleme, die zum Zeitpunkt des Kaufes bereits vorlagen und dem neuen Halter nicht bekannt waren. „Dem Käufer eines mangebehafteten Tieres stehen grundsätzlich die kaufrechtlichen Gewährleistungsrechte auf Nachbesserung, Rücktritt, Minderung und Schadensersatz zu.“ (vgl. Artikel: Tierkauf und Gewährleistung – Problem des Verbrauchsgüterkaufs, Anwalt.de, aufgerufen am 28.10.2018)

Ich rate Neulingen in der Vogelhaltung sich vorzugsweise Wellensittiche aus dem Tierheim zu holen. Zwar müssen auch diese Vögel von eurem vogelkundigen Tierarzt untersucht werden, aber oftmals werden teure Behandlungen oder zumindest die Medikamente von chronisch kranken Wellis vom Tierheim übernommen. Erkundigt euch am besten immer vorher, wie die jeweilige Regelung in solchen Fällen aussieht. Außerdem bekommt man dort nicht die „Katze im Sack“, da man in der Regel viel über die Vermittlungstiere von den Pflegern erfährt und beraten wird. Die Entscheidung, einem alten oder kranken Tier ein Zuhause zu geben, kann daher bewusst getroffen werden.

Wellensittich krank Tierarzt dringendNoch eine Warnung zum Schluss: Viel zu oft erlebe ich es, dass Vogelhalter eine Veränderung bei ihren Wellensittichen feststellen und – oft zu Recht – eine Krankheit vermuten. Was dann beginnt, ist ein losgegoogle, rumgebettel nach Ferndiagnosen in Communities und Schönrederei, wenn der Hinweis kommt, dass schnell ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden soll. Habt ihr den Verdacht, dass einer eurer Wellensittiche krank sein könnte, verschwendet keine Zeit, sondern geht gleich zu eurem vogelkundigen Tierarzt! Zuverlässige Ferndiagnosen kann euch keiner geben (übrigens auch kein Tierarzt!) und abwarten sowie selbstständiges Rumdoktern am Vogel kostet Wellensittichen oft das Leben.

Wer ein Tier aufnimmt, trägt die volle Verantwortung und dazu gehört auch die Pflege im Krankheitsfall. Legt euch daher immer 100 Euro für den Notfall beseite. Wer das Geld nicht hat oder nicht bereit ist, die Kosten zu übernehmen, sollte auch keine Tiere halten!

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