Basiswissen Wellensittiche Teil 3 – Käfige und Käfigeinrichtung

In dem dritten Teil der Serie „Basiswissen Wellensittiche“ geht es um das Thema Käfige und Käfigeinrichtung. Dies ist ein Erfahrungsbericht, der konkrete Empfehlungen und Käfigbeispiele enthält, die ich persönlich gut finde. Meine Meinung ist nicht erkauft und muss auch nicht unbedingt immer stimmen. 😉

Rechtlicher Hinweis: Die im Folgenden verwendeten Bilder der Käfige sind größenteils nicht meine, sondern mit amazon verlinkt und enthalten sogenannte Affiliate-Links (Werbelinks). Wer mehr Produktempfehlungen von mir haben möchte, kann sich auf der neu eingerichteten Seite Produktempfehlungen umschauen.

San Remo II für zwei WellensitticheDen richtigen Käfig zu finden ist nicht einfach. Bei der Wahl des Käfigs sollte man auf einige Dinge achten, damit er sich später nicht als Fehlkauf herausstellt. Als ersten Punkt sollte man sich fragen, wie die Haltung der Wellensittiche aussehen soll. Also wie viele Vögel man halten möchte und wie lange am Tag die Tiere Freiflug bekommen. Bei ganztägigem Freiflug reicht für zwei Wellensittiche zum Beispiel eine San Remo II, während sie für acht Wellis unter gleichen Bedingungen selbst als Schlafkäfig zu klein wäre. Die Madeira Double hingegen ist eine gute Wahl für acht Vögel mit ganztägigem Freiflug oder für zwei Wellis, die nur stundenweise am Tag raus dürfen.

Neben der Käfiggröße sind die Qualität und die Materialien zwei weitere wichtige Punkte. Leider sind viele im Zoofachgeschäft erhältliche Käfige entweder verzinkt oder lackiert. Beides ist hochgradig gesundheitsschädigend für Wellensittiche und andere Ziervögel. Ich wusste das anfangs auch nicht und freute mich über ein vermeindliches Schnäppchen – glücklicherweise bin ich wenige Wochen nach dem Kauf von anderen Welli-Haltern darauf hingewiesen worden. Nach einigen Recherchen über Zinkvergiftungen habe ich mich für eine Madeira II von Montana Cages entschieden. Natürlich habe ich als Studentin kräfig schlucken müssen, da zwei Käfige in so kurzer Zeit ordentlich das Konto leerten und ich hatte mir insgeheim gewünscht, dass Zinkvergiftungen schon nicht so schlimm sein würden… Ich muss gestehen, dass ich ziemlich stinkig auf die bekannte Zoohandlungskette war und habe in der Zentrale nachgefragt, warum man solche Käfige überhaupt anbietet. Die Antwort war, dass im Kleingedruckten des Katalogs, der im Laden (eventuell) ausliegt, steht, dass es sich um „Quarantänekäfige“ handelt. Sorry, also das finde ich wirklich frech! Erstens wurden zu diesem Zeitpunkt (2012) keine Alternativen in den Läden angeboten und zweitens hat ein Test im Nachhinein ergeben, dass die Mitarbeiter ebenfalls keine Ahnung hatten, dass die Käfige beschichtet sind. Den Katalog gab es auch nur auf Nachfrage…

 


Ich habe die Entscheidung einen neuen Käfig zu kaufen, trotz des hohen Preises aber nie bereut. Inzwischen sind aus zwei Wellensittichen 12 geworden und ich habe eine zweite Madeira II an die vorhandene angebaut. Dazu gibt es auf meinem YouTube-Kanal auch ein Video. Wer von vornherein seinen Tieren mehr Platz gönnen möchte oder weiß, dass der Schwarm unter Umständen aufgestockt wird, kann sich das Umbauen sparen und sich gleich eine Madeira Double zulegen. Neuheit Madeira Doube mit AnflugklappenDas schöne an dieser Voliere ist, dass man sie dank des Anbaukits erweitern kann. Zukünfig soll es auch Käfige dieser Art mit den beliebten Anflugklappen geben. Der Hersteller antwortete auf meine Nachfrage, wann dies sein wird, dass es vom Abverkauf der bereits produzierten Volieren abhängt.

Anflugklappen sind wichtiger als man denkt. Oft sind sie für scheue Wellensittiche ein sicherer Platz, von dem aus sie langsam das Freiflugzimmer erkunden und trotzdem den Käfig als sicheren Rückzugsort im Rücken haben. Bei Modellen wie zum Beispiel der Memphis empfiehlt es sich ein Sitzbrettchen direkt vor dem Türbereich anzubringen. Kleiner Tipp: Wer etwas mehr Platz hat als für die Memphis I kann gleich auf das Modell San Remo II oder III umsteigen, da sie sich preislich kaum von Memphis II und III unterscheiden, aber um Längen besser, komfortabler und qualitativ hochwertiger sind. Die formschöne San Remo lässt sich oben öffnen und hat zudem – wie die Madeira – eine Anflugklappe sowie eine praktische und sichere große Tür, über die man leicht im Käfig putzen kann. Wer meine Videos kennt, der hat die San Remo II schon mal gesehen: Wir haben sie als einen von zwei Urlaubs- und Krankenkäfigen immer Einsatzbereit im Büro zu stehen.

Ein weiteres empfehlenswertes Modell ist die Paradiso, wobei die Paradiso 120 und 150 (die Zahlen geben die Breite der Volieren an) den Bedürfnissen unserer Flugsauriern näher kommt als die schmalen Paradiso 60 und 90. Die unter Wellensittich-Freunden scherzhaft genannten „Hubschraubervolieren“ sind nicht nur für flug- und bewegungsfreudige Wellensittiche ungünstig, sondern lassen sich auch schlechter einrichten als breite Volieren.

Hier ein paar wertvolle Tipps zur Einrichtung, damit sich nicht nur die Vögel wohlfühlen, sondern dem Halter auch das Reinigen erleichtert wird.

 

1. Die goldene Regel lautet: „Weniger ist mehr„! Wir meinen es oft zu gut und hängen viel zu viele Dinge in die Käfige. Dadurch nehmen wir unseren Tieren aber noch mehr Bewegungsfreiheit als eh schon und bekommen zudem leichter ein Hygieneproblem.

2. Zur besser strukturierten und pflegeleichten Einrichtung sollte man seinen Käfig gedanklich horizontal in vier Teile teilen.

Käfig richtig einrichten

  1. Das obere Viertel ist den Schlafschaukeln vorbehalten (Schlafebene). Das Käfigdach dient außerdem zur Aufhängung größerer Spielzeuge,
  2. die bequem von der Spiel- und Aufenthaltsebene erreicht werden können.
  3. Der Bereich darunter sollte nur am Rand mit Sitzbrettern oder leicht zu reinigenden Ästen ausgestattet werden, um den Vögeln ausreichend Platz zum Fliegen zu ermöglichen (Flug- und Foragingebene).
  4. Die Bretter haben zudem die Aufgabe, das Futter und Wasser auf der untersten Ebene (Nahrungsebene) vor Verkotungen von oben zu schützen.

Sitzbrett und Brücke für Wellensittiche3. Brücken und Sitzbretter sind eine willkommene Gelegenheit für viele Wellis sich tagsüber auszuruhen und schaffen mehr Ebenen im Käfig, auf denen Wühlkisten & Co angeboten werden können. Allerdings sind solche Sitz- und Liegegelegenheiten sehr pflegebedürftig, da der Kot meistens darauf liegen bleibt. Man muss daher einkalkulieren, dass man sie alle 1-2 Tage unter heißem Wasser abschrubben muss.

Blick in den Vogelkäfig4. Grundsätzlich sollten alle Sitzgelegenheiten so platziert werden, dass der Kot auf den Boden fällt und nicht auf darunterliegende Einrichtungsgegenstände, Spielzeuge oder Futter- und Trinknäpfe. Hier seht ihr ein Bild von meinem Vogelkäfig (seitlicher Blick in den Käfig).

Keinen Nistkasten nutzen5. NICHT zur Käfigausstattung gehören Nistkästen. Auch andere Dinge, die als Nistgelegenheiten genutzt werden können, sollten dringend vermieden werden! Denn Nachwuchs und Jungtieraufzucht gehört nicht in die Hände von Laien und Privatpersonen! Wer mehr Wellensittiche haben möchte, kann in Tierheimen, in Wellensittich-Foren oder auf unserer Vermittlungsseite nach passenden Kandidaten suchen.

In der nächsten Folge dreht sich alles um den Freiflug. Jetzt aber erstmal das Video und zum Schluss die anonyme Umfrage 🙂

Anonyme Umfrage nicht vergessen! 😀

Basiswissen Wellensittiche Teil 2 – Überlegungen vor der Anschaffung

In diesem Beitrag geht es um die wichtigsten Überlegungen vor der Anschaffung von Wellensittichen. Bevor man sich Tiere ins Haus holt, muss man sich im Klaren darüber sein, was einen erwartet. Denn ein Tier zu besitzen, bedeutet eine jahrelange Verpflichtung einzugehen.

Je größer das Tier ist, desto länger wird nachgedacht. Bei Kleintieren wie Hamstern, Mäusen oder eben Wellensittichen scheinen viele dies allerdings nicht zu tun. Nicht nur wegen des geringen Anschaffungspreises, sondern auch wegen falscher Vorstellungen wird schnell mal voreilig ein (oder besser zwei) Tiere besorgt. Und bei einem Kleintier kann man ja eigentlich nicht so viel falsch machen oder sich finanziell übernehmen! Oder etwa doch?

Wellensittich Kinder 1997
1997

Man muss sich vor der Anschaffung gründlich überlegen, ob Wellensittiche nicht nur heute, sondern auch noch in 10 oder 15 Jahren zur aktuellen Lebenssituation passen – denn Wellis können so alt werden! Für Kinder sind Wellensittiche unter anderem aufgrund der langen Lebensdauer eher nicht zu empfehlen, gerade wenn man als Eltern keine große Bindung zu den Tieren hat und sich nicht hauptverantwortlich darum kümmern möchte. Mein zweiter Wellensittich, Mäxchen, verdeutlicht sehr gut, was ich sagen will: Ich habe ihn bekommen, als ich in der 4. Klasse der Grundschule gewesen bin und er ist im Alter von 11 Jahren gestorben, als ich bereits im 3. Semester meines Studiums an der Universität war!

Wellensittich männlich mit junger Frau 2007
2007

Glücklicherweise hatte meine Mutter all die Jahre täglich ein Auge auf Mäxchen geworfen, sodass er auch versorgt wurde, als ich draußen Hopse spielte, pubertär bockig im Park abhing oder später zwischen Berlin und Rom pendelte. Aus dem 10 Jährigen Schulmädchen ist eine junge Frau geworden, die kurz vor ihren Auslandssemestern stand und darüber hinaus auch gerne reiste…

Die gleichen Gedanken sollte man sich auch bei alten Leuten machen; es ist keine gute Idee seiner Omi zur Gesellschaft zwei Wellensittiche zu kaufen, wenn man weiß, dass sie kaum selber für sich sorgen kann, vergesslich ist und bald in ein Pflegeheim kommt. Klingt brutal, aber man tut am Ende niemandem einen Gefallen: weder der überforderten Oma und schon gar nicht den Vögeln.

Mit der langen Lebensdauer kommen auch Kosten einher, die bei einem solch kleinen Vögelchen leicht unterschätzt werden. Daher folgt nun ein beispielhafter Kostencheck für zwei Wellensittiche über 10 Jahre.

  • Anschaffungskosten eines Pärchens: ca. 70 Euro / einmalig
  • Artgerechter Käfig: ca. 200 Euro / einmalig
  • Eingangsuntersuchung beider Wellensittiche: ca. 70 Euro / einmalig
  • Futterkosten: ca. 10 Euro / monatlich
  • Einstreu/Sand: ca. 15 Euro / monatlich
  • Spielsachen/Spielplätze: ca. 100 Euro / jährlich
  • Sonderausgaben für Tierarzt, Urlaubsbetreuung, etc.: ca. 200 Euro / jährlich

In 10 Jahren kommen nach dieser (erfahrungsgemäß recht idealistischen) Rechnung rund 6.400 Euro zusammen. Hättet ihr das gedacht? Diese Summe muss man vor der Anschaffung im Kopf haben und berücksichtigen. Gerade bei den Tierarztkosten darf man nicht am falschen Ende sparen. Wer die Verantwortung für ein Tier übernommen hat, muss sich auch in schweren Zeiten darum kümmern und dafür sorgen. Die 200 Euro sind ein Durchschnittswert: Es kann Jahre geben, da zahlt man nichts oder nur mal 15 Euro für die jährliche Kontrolle inklusive einmal Krallenschneiden pro Vogel. Und dann gibt es Jahre, da ist die 200 Euro-Rechnung nur eine von vielen. Für meine Chiocciolina, die chronisch mit den Nieren zu tun hatte, habe ich unzählige Tierarztbesuche durchgemacht sowie eine Dauermedikation, die auch nicht umsonst war. Das Finale war ein Tierarztmarathon nach einem Krampfanfall mit stationärem Aufenthalt, Röntgenbildern und Blutanalysen. Da kamen in einem Monat 1500 Euro zusammen. Oft kann man es vorher nicht kalkulieren, da eine Diagnose den Anstoß zu weiteren wichtigen Untersuchungen gibt. Wenn man schon Jahre lang mit seinem Tier zusammenlebt, dann hofft man auf eine Behandlung und schöpft alle Möglichkeiten aus. Die Entscheidung zur Euthanasie treffen sowohl Halter als auch Tierarzt nur im Fall der medizinischen Aussichtslosigkeit – nicht aber, weil der Halter keine Lust mehr hat oder keine finanziellen Mittel mehr locker machen möchte! Viele Wellensittiche sterben auch, weil die Besitzer nicht zum Tierarzt gehen wollen. Und das ist leider keine Seltenheit!

Natürlich sollte man neben der Kostenfrage noch weitere wesentliche Aspekte beachten:

  1. Wellensittiche brauchen viel Platz für ihren täglichen, besser sogar ganztägigen, Freiflug im Zimmer.
  2. Wellensittiche sind sehr laut und von früh bis spät immer am Brabbeln. Gemütliches Sitzen mit Freunden oder ein Fernsehabend hat also immer eine gewisse Geräuschkulisse, gegen die man lautstärketechnisch ankommen muss.
  3. Die süßen Minipapageien machen eine Menge Dreck und Knabbern gerne alles an – auch Tapeten oder Einrichtungsgegenstände. Tägliches Putzen und Saugen bleibt auch einem „Nur-zwei-Wellis“-Haushalt nicht erspart.
  4. Wellensittiche sind keine Kuscheltiere und nur sehr wenige Individuen fassen Vertrauen zu ihren Haltern und kommen gerne auf die Hand oder sitzen auf der Schulter.

Bei der Überlegung zur Anschaffung sollte man sich daher ehrlich fragen, ob es für einen in Ordnung ist, dass die Wellis vermutlich Zeit ihres Lebens eher Tiere zum Anschauen als zum Spielen oder gar Kuscheln sein werden. Auch das ist ein Grund, weshalb ich Wellensittiche nicht für Kinder empfehle. Es ist aber nicht nur für Kinder, sondern auch für viele Erwachsene sehr frustrierend, wenn man quasi „fliegende Goldfische“ hat, für die man Geld ausgibt und dann nur die Putze spielen darf. Während bei Vögeln von Kindern oftmals die Eltern die Reißleine ziehen und die Tiere (rechtzeitig) abgeben, dümpeln bei Erwachsenen die Vögel oft Jahrelang in einer Ecke vor sich hin. Ob es Scham ist oder infantile Bockigkeit, Verkennen der Situation oder pures Desinteresse – die schlimmsten Vermittlungsfälle kommen in der Regel nicht aus Kinderzimmern!

Anonyme Umfrage nicht vergessen 😉

Basiswissen Wellensittiche Teil 1 – Allgemeines rund um Wellensittiche

Wer ausschließlich meinem Blog folgt, der wundert sich vielleicht, weshalb hier monatelang nichts passiert ist. Nun ja, ich habe mir für solche Fragen eine Menge überzeugender Ausreden einfallen lassen:

Mein inzwischen 10 Monate alter Sohn hat krabbeln gelernt und stopft sich alles in den Mund, was er findet (ja, auch Buchenholzgranulat und … naja, das andere eben, was Wellis hinterlassen). Neben gefühlt 24 Stunden putzen, habe ich auch noch versucht mich erfolglos auf eine Klausur in Personalführung vorzubereiten, hatte bis Anfang August full house in Bezug auf gefiederte Gäste und… (taataaa!) habe an einer 10-teiligen Serie für YouTube gearbeitet.

Die Idee für die Serie kam mir mal wieder morgens beim Tee trinken (für mehr als einen Tee reicht die Zeit nicht). Warum auch immer, hatte ich mich an meinen „Basispass Pferdekunde“ erinnert, den ich vor vielen Jahren abgelegt hatte. Es ist eine theoretische Prüfung, die als Grundvoraussetzung für alle weiteren Prüfungen im Pferdesport gilt. Quasi analog zur Sachkundeprüfung bei Hunden. „Warum“, fragte ich mich plötzlich, „gibt es das eigentlich nicht für Wellensittiche?“ Es ist so wichtig, sich vor der Anschaffung ein paar theoretische Grundkenntnisse anzueignen. Eine gute Vorbereitung auf die Vogelhaltung erleichtert das Zusammenleben, hilft den Tieren und vermittelt dem Halter ein realistisches Bild von der Arbeit, die auf ihn zukommt. Wie ihr wisst, helfe ich meiner Freundin bei der Vermittlung von Wellensittichen im Großraum Berlin; immer wieder hören wir die gleichen Abgabegründe: Überforderung, viel Dreck, große Lautstärke, zerrissene Tapeten oder enttäuschte Erwartungen an die Zahmheit der Wellis. Oder wir bekommen Tiere, die aus schlechter und uninformierter Haltung kommen: Einzelhaltung, keinen Freiflug, falsches Futter, zu kleiner Käfig und keine Behandlung kranker Tiere, erst recht nicht durch einen vogelkundigen Tierarzt.

Da ich über kurze YouTube-Videos auch Menschen erreiche, die sich aus verschiedenen Gründen nicht durch Bücher, lange Foren, Blogs und Websites lesen möchten, hatte ich mich in den letzten Monaten erstmal weniger auf den Blog konzentriert, sondern meine wenige Freizeit in das Erstellen der Videos gesteckt. Die acht bisher veröffentlichten Videos wurden – Stand September 2018 – zusammen über 27.300 Mal in den letzten Wochen gesehen. Für einen kleinen Nischen-Kanal ein großer Erfolg! Daher möchte ich die Serie auch den Bloglesern schriftlich zur Verfügung stellen und einige ausführlichere Ergänzungen einfügen.

Bevor es jetzt mit Teil 1 losgeht, will ich noch kurz auf die Frage eingehen, die mich über diverse Social Media-Kanäle erreicht: wann kommen Teil 9 und 10? Teil 9 ist fast fertig und kommt nächstes Wochenende raus und Teil 10 folgt zwei Wochen später.

 

Basiswissen Wellensittiche Teil 1 – Allgemeines rund um Wellensittiche

Der Wellensittich (lat. Melopsittacus undulatus) gehört zur Familie der Papageien und ist weltweit die am häufigsten in Haushalten vorkommende Papageienart. In der Natur leben Wellensittiche in großen Schwärmen und ziehen als Nomaden durch das australische Outback. Als extreme Nahrungsspezialisten ernähren sie sich vor allem von Wellensittiche Australien Landschaft Lebensraum Nahrung Gräser Samen WikipediaGräsern und Samen von Bodendeckerpflanzen. Dies sollte bei der Ernährung der kleinen Flugakrobaten dringend berücksichtig werden, da Wellensittiche in Gefangenschaft zu Verfettungen und futterbedingten Erkrankungen neigen. Teil 8 der Serie behandelt das Thema „Ernährung“ noch ausführlicher.

 

Wellensittich Australien Nominatform grün normal wild wikipediaWellensittiche haben von Natur aus ein grünes Gefieder, ein gelbes Köpfchen und die charakteristische und namensgebende Wellenzeichnung, die sich vom Hinterkopf, über die Schultern und Flügel bis hin zum Rücken über den ganzen Körper zieht. Man kann es bei solch bunten Vögeln kaum glauben, aber die Nominatform ist perfekt an ihre Umgebung angepasst. Schaut man nämlich von unten hoch in einen Baum, so sieht man nur die grünen Bäuche, die optisch im Blätterwerk völlig verschwinden. Schaut man hingegen von oben auf die einzelnen Tiere, so verwinden diese im Spiel von Licht und Schatten zwischen den Gräsern oder den Blättern und Zweigen der Baumkronen.

 

Wellensittich Männchen Nominatform grün gelb normalDurch Züchtungen in den letzten 150 Jahren gibt es Wellensittiche in diversen Farben der Blau- und Grünreihe. Wie kommen aber die Farbschläge zustande, wenn es die Nominatform nur in Grün-Gelb gibt. Ganz vereinfacht erklärt gibt es im Gefieder zwei Farbstoffe – Gelbpigmente (Psittacine) und Dunkelpigmente (Eumelanine). Züchtet man den gelben Gefiederfarbstoff weg, bleibt ein weiß-blauer Wellensittich übrig. Je nach Farbintensität erhält man so diverse Farben und Wellenzeichnungen, da auch diese über die Eumelanine beeinflusst werden. Der rote Gefiederfarbstoff Psittacofulvin kommt bei Wellensittichen nicht vor, sodass es keine roten oder rosa Wellis gibt! Solltet ihr also mal ein Foto von solch einem „Farbschlag“ sehen, dann ist es entweder ein Fake oder ein Bourkesittich, der auf den ersten Blick einem Wellensittich ähnlich sieht. Wer sich im Detail für die Farbstoffe in Gefiedern interessiert, kann die Seite von birds-online besuchen.

Wellensittiche gibt es auch in unterschiedlichen Größen. Die kleineren, am häufigsten im Handel vorkommenden Wellensittiche nennt man Hansibubis. Die größeren, im Phänotyp stark veränderten Vögel bezeichnet man als Standardwellensittich oder auch Schauwellensittich, da es Zuchtwettbewerbe gibt, für die sie hauptsächlich gezüchtet werden. Da bei der Zucht leider häufig nur nach Größe und Gefieder selektiert wird, sind diese Vögel in der Regel Wellensittich groß Standard Standardwellensittich Schauwellensittichkrankheitsanfälliger und kurzlebiger. Auch ist ihre Fähigkeit zu fliegen stark eingeschränkt, sodass sie oft als „zahm“ verkauft werden. Fliegen ist aber ein essentielles Grundbedürfnis von Vögeln und sehr wichtig für die richtige Funktion der Atemorgane und der Sauerstoffversorgung. Bitte unterstützt daher keine Züchter, deren Wellensittiche nicht mehr fliegen können oder nach 1-2 Metern schon stark pumpend abschmieren.

Bei Wellensittichen kann man männliche von weiblichen Tieren sehr gut unterscheiden. Und zwar verrät die sogenannte Wachshaut, also die Haut, die die Nasenlöcher umgibt, das Geschlecht. Bei Männchen ist sie normalerweise dunkelblau. Bei einigen rezessiven Farbschlägen kann sie auch lila sein. Verfärbt sich die Wachshaut eines Männchens braun, so sollte er dringend einem vogelkundigen Tierarzt vorgestellt werden. Dies ist leider ein recht sicheres Zeichen dafür, dass eine tumoröse Veränderung vorliegt. Bei Weibchen ist die Wachshaut in hormonell aktiven Phasen („Brutigkeit“) braun und in hormonell inaktiven Phasen hellblau mit weißen Ringen, um die Nasenlöcher.

Fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse nochmal zusammen:

  1. Wellensittiche sind Schwarmtiere und sollten daher niemals alleine gehalten werden.Wellensittiche Australien Schwarm Wikipedia
  2. Männliche Tiere erkennt man an der blauen und weibliche an einer braunen oder hellblauen Wachshaut.
  3. Als Nahrungsspezialisten benötigen Wellensittiche artgerechtes Futter, das auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist.

In der nächsten Folge geht es um wichtige Überlegungen vor der Anschaffung von Wellensittichen. Schließlich können Wellensittiche 10 Jahre und älter werden!