Basiswissen Wellensittiche Teil 2 – Überlegungen vor der Anschaffung

In diesem Beitrag geht es um die wichtigsten Überlegungen vor der Anschaffung von Wellensittichen. Bevor man sich Tiere ins Haus holt, muss man sich im Klaren darüber sein, was einen erwartet. Denn ein Tier zu besitzen, bedeutet eine jahrelange Verpflichtung einzugehen.

Je größer das Tier ist, desto länger wird nachgedacht. Bei Kleintieren wie Hamstern, Mäusen oder eben Wellensittichen scheinen viele dies allerdings nicht zu tun. Nicht nur wegen des geringen Anschaffungspreises, sondern auch wegen falscher Vorstellungen wird schnell mal voreilig ein (oder besser zwei) Tiere besorgt. Und bei einem Kleintier kann man ja eigentlich nicht so viel falsch machen oder sich finanziell übernehmen! Oder etwa doch?

Wellensittich Kinder 1997
1997

Man muss sich vor der Anschaffung gründlich überlegen, ob Wellensittiche nicht nur heute, sondern auch noch in 10 oder 15 Jahren zur aktuellen Lebenssituation passen – denn Wellis können so alt werden! Für Kinder sind Wellensittiche unter anderem aufgrund der langen Lebensdauer eher nicht zu empfehlen, gerade wenn man als Eltern keine große Bindung zu den Tieren hat und sich nicht hauptverantwortlich darum kümmern möchte. Mein zweiter Wellensittich, Mäxchen, verdeutlicht sehr gut, was ich sagen will: Ich habe ihn bekommen, als ich in der 4. Klasse der Grundschule gewesen bin und er ist im Alter von 11 Jahren gestorben, als ich bereits im 3. Semester meines Studiums an der Universität war!

Wellensittich männlich mit junger Frau 2007
2007

Glücklicherweise hatte meine Mutter all die Jahre täglich ein Auge auf Mäxchen geworfen, sodass er auch versorgt wurde, als ich draußen Hopse spielte, pubertär bockig im Park abhing oder später zwischen Berlin und Rom pendelte. Aus dem 10 Jährigen Schulmädchen ist eine junge Frau geworden, die kurz vor ihren Auslandssemestern stand und darüber hinaus auch gerne reiste…

Die gleichen Gedanken sollte man sich auch bei alten Leuten machen; es ist keine gute Idee seiner Omi zur Gesellschaft zwei Wellensittiche zu kaufen, wenn man weiß, dass sie kaum selber für sich sorgen kann, vergesslich ist und bald in ein Pflegeheim kommt. Klingt brutal, aber man tut am Ende niemandem einen Gefallen: weder der überforderten Oma und schon gar nicht den Vögeln.

Mit der langen Lebensdauer kommen auch Kosten einher, die bei einem solch kleinen Vögelchen leicht unterschätzt werden. Daher folgt nun ein beispielhafter Kostencheck für zwei Wellensittiche über 10 Jahre.

  • Anschaffungskosten eines Pärchens: ca. 70 Euro / einmalig
  • Artgerechter Käfig: ca. 200 Euro / einmalig
  • Eingangsuntersuchung beider Wellensittiche: ca. 70 Euro / einmalig
  • Futterkosten: ca. 10 Euro / monatlich
  • Einstreu/Sand: ca. 15 Euro / monatlich
  • Spielsachen/Spielplätze: ca. 100 Euro / jährlich
  • Sonderausgaben für Tierarzt, Urlaubsbetreuung, etc.: ca. 200 Euro / jährlich

In 10 Jahren kommen nach dieser (erfahrungsgemäß recht idealistischen) Rechnung rund 6.400 Euro zusammen. Hättet ihr das gedacht? Diese Summe muss man vor der Anschaffung im Kopf haben und berücksichtigen. Gerade bei den Tierarztkosten darf man nicht am falschen Ende sparen. Wer die Verantwortung für ein Tier übernommen hat, muss sich auch in schweren Zeiten darum kümmern und dafür sorgen. Die 200 Euro sind ein Durchschnittswert: Es kann Jahre geben, da zahlt man nichts oder nur mal 15 Euro für die jährliche Kontrolle inklusive einmal Krallenschneiden pro Vogel. Und dann gibt es Jahre, da ist die 200 Euro-Rechnung nur eine von vielen. Für meine Chiocciolina, die chronisch mit den Nieren zu tun hatte, habe ich unzählige Tierarztbesuche durchgemacht sowie eine Dauermedikation, die auch nicht umsonst war. Das Finale war ein Tierarztmarathon nach einem Krampfanfall mit stationärem Aufenthalt, Röntgenbildern und Blutanalysen. Da kamen in einem Monat 1500 Euro zusammen. Oft kann man es vorher nicht kalkulieren, da eine Diagnose den Anstoß zu weiteren wichtigen Untersuchungen gibt. Wenn man schon Jahre lang mit seinem Tier zusammenlebt, dann hofft man auf eine Behandlung und schöpft alle Möglichkeiten aus. Die Entscheidung zur Euthanasie treffen sowohl Halter als auch Tierarzt nur im Fall der medizinischen Aussichtslosigkeit – nicht aber, weil der Halter keine Lust mehr hat oder keine finanziellen Mittel mehr locker machen möchte! Viele Wellensittiche sterben auch, weil die Besitzer nicht zum Tierarzt gehen wollen. Und das ist leider keine Seltenheit!

Natürlich sollte man neben der Kostenfrage noch weitere wesentliche Aspekte beachten:

  1. Wellensittiche brauchen viel Platz für ihren täglichen, besser sogar ganztägigen, Freiflug im Zimmer.
  2. Wellensittiche sind sehr laut und von früh bis spät immer am Brabbeln. Gemütliches Sitzen mit Freunden oder ein Fernsehabend hat also immer eine gewisse Geräuschkulisse, gegen die man lautstärketechnisch ankommen muss.
  3. Die süßen Minipapageien machen eine Menge Dreck und Knabbern gerne alles an – auch Tapeten oder Einrichtungsgegenstände. Tägliches Putzen und Saugen bleibt auch einem „Nur-zwei-Wellis“-Haushalt nicht erspart.
  4. Wellensittiche sind keine Kuscheltiere und nur sehr wenige Individuen fassen Vertrauen zu ihren Haltern und kommen gerne auf die Hand oder sitzen auf der Schulter.

Bei der Überlegung zur Anschaffung sollte man sich daher ehrlich fragen, ob es für einen in Ordnung ist, dass die Wellis vermutlich Zeit ihres Lebens eher Tiere zum Anschauen als zum Spielen oder gar Kuscheln sein werden. Auch das ist ein Grund, weshalb ich Wellensittiche nicht für Kinder empfehle. Es ist aber nicht nur für Kinder, sondern auch für viele Erwachsene sehr frustrierend, wenn man quasi „fliegende Goldfische“ hat, für die man Geld ausgibt und dann nur die Putze spielen darf. Während bei Vögeln von Kindern oftmals die Eltern die Reißleine ziehen und die Tiere (rechtzeitig) abgeben, dümpeln bei Erwachsenen die Vögel oft Jahrelang in einer Ecke vor sich hin. Ob es Scham ist oder infantile Bockigkeit, Verkennen der Situation oder pures Desinteresse – die schlimmsten Vermittlungsfälle kommen in der Regel nicht aus Kinderzimmern!

Anonyme Umfrage nicht vergessen 😉

Roomtour durch das Vogelzimmer


Spätestens nach dem letzten Beitrag über die Sicherheit im Freiflugzimmer wurden die Stimmen jener Vogelhalter lauter, die sich schon seit langem eine Roomtour durch mein Vogelzimmer wünschen. Dem möchte ich nun nachkommen.

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass eine Roomtour visuell -sprich mit einem Video- besser dargestellt werden kann, als durch einen Blogbeitrag 😉 Da ich aber oft gefragt werde, wo ich was gekauft habe, folgt hier nun eine Inventur mit entsprechender Verlinkung. Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag enthält Produktverlinkungen („Werbung“).

Spielewand
Anbieter Parrotshop/amazon:
Color-Bell-Fun*
Balsaholzspielzeug*
Naturschaukel*
Holzring*

Anbieter Körnerbude/amazon:
Dreiecksschaukel*
Crushel-Korkröhre
Bird Kabob Schaukel*

Anbieter Fressnapf/amazon:
CHIPSI Buchenholzgranulat XXL*
CHIPSI Forest Fresh*
Multifit Papageiensand

Anbieter Trixie/amazon:
Weinreben* (sandgestrahlt)
Trixie Spielplatz X-Form*
Trixie Spielplatz H-Form*

Ikea:
Sideboard (Birkenfurnier; gekauft im Dezember 2016, aktuell nicht im Onlineprogramm gelistet; ggf. noch Restbestände in den Filialen)
RAGRUND (Bambusregal am Fenster)
DRAGAN (Bambuskisten für Kleinteile, wie Wäscheklammern, Spritzen, Futterzusätze, etc.)
SVALNÄS (Regalbretter aus Bambus – unterschiedliche Größen, z. T. zurechtgeschnitten)

Bauhaus:
Ringschrauben (Edelstahl!)
diverse Untersetzer (Plastik & Terrakotta)
Regalwinkel (aus Holz für die Bambusbretter & Schmuckwinkel für die Weinreben)
Fotorahmen (als Spritz- und Knabberschutz für die Tapete)

CEWE:
Gallery Print (eigenes Motiv – Antonia)


Sofawand
Massivum: Rattansofa mit Sitzkissen
Bauhaus: Tapete mit Amazonen
Ikea: Schaukelsessel

 


Käfigwand
Anbieter Parrotshop/amazon:
2x Madeira II – Platinum (Montana Cages) zu einer Madeira Double* zusammengebastelt; Bastelanleitung Madeira I, II oder III verbinden
Java Kletterstangen* (sehr leicht zu säubern und langlebig)
Naturschaukel* (sehr beliebt im Käfig und an der Kletterwand)
Super Shredding Ball Bird Toy-M* (aktuell unser Favorit – macht Dreck ohne Ende! Also perfekt für jeden, der schon mal bunte Papierschnipsel in der ganzen Wohnung haben wollte… und auf dem Butterbrot 😀 Aber die kleinen, süßen Plüschies lieben es, also eben erst sechs Bälle nachbestellt *seuftz*)
Triple Shred Boxen* mit bunten Papier
Nature-Bell-Fun
Shredder Korb

Körnerbude:
Hängeschaukeln
Buddha-Schaukel

Anbieter Fressnapf/amazon:
Mineralsteine
einfach Schlafschaukeln (dick, dünn)
Brücken aus der Nagerabteilung* (unterschiedliche Größen zum Spielen und als Tapetenschutz)
Sitzbretter aus der Nagerabteilung* (in unterschiedlichen Größen erhältlich)
Korkröhren*

Anbieter Futterhaus/amazon:
Lucky Reptile Compact Bird Lamp Set*

Bauhaus:
Flachsseile (Meterware)

Ikea:
MALM (Birkenfurnier; gibt es leider nur noch in anderen Farben)
MOLGER (Wandregal, Birke)
RIMFORSA (Futterbehälter)

Korkenzieherhaseläste: privat (kleiner Tipp: Wer keinen eigenen Garten hat, kann bei Nachbarn oder in Kleingartenkolonnien nachfragen. Beste Schnittzeit: Frühling und Herbst)


Fensterfront
Korkenzieherhaselast in einem Weihnachtsbaumständer: privat
Philips: 2-in-1 Kombigerät Luftreiniger und Luftbefeuchter* (ECARF geprüft: allergikerfreundlich)

Bauhaus: Deckenlampe mit verdeckten Kabeln und einstellbarer Farbtemperatur

Ikea:
Schreibtischunterlagen als Kotschutz
SATSUMAS (Halter mit fünf Übertöpfen im Zwischenfenster)
LILL (Gardinenstores als Anflugschutz)


Futter
Ricos Futterkiste: Hauptfutter (meistens WS2)
Körnerbude: Ergänzungsfutter (Fonio Paddy, Knaulgras, Pagima Green, etc.)
Parrotshop: Edelstahl Fruchtspieß

Quarantänekäfig
Parrotshop: San Remo II – Platinum* (Montana Cages)

Raumausstattung/ Raumpflege
Bauhaus: Tapete
Hometrend: Boden
iRobot: iRobot Braava jet 240 Wischroboter für Räume bis zu 25 m²)* mit den blauen Pads (Nasswischpads)
Sebo: Staubsauger* mit dreifachem Filtersystem (Hepa)


Hinweis: Bei allen Verlinkungen, die mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet sind, handelt es sich um affilate Links (Werbelinks). Wird ein Produkt über diesen Link gekauft, erhalte ich eine kleine Provision von amazon. Der Preis ändert sich für euch nicht! Alle verlinkten Produkte befinden sich in meinem Vogelzimmer (bei Spielzeug mal länger, mal weniger 😉 ). Es handelt sich bei meiner Aufzählung also um persönliche Erfahrungswerte, die ich gerne teilen möchte. Ich mache keine Werbung für Produkte, die ich nicht gut finde oder die tierschutzwidrig sind! Weitere Produkte, die ich positiv getestet habe, findet ihr auf der Unterseite Produktempfehlungen.

Beschäftigungsplan für Wellensittiche


Ach ja, den ganzen Tag nichts tun und sich nur zu den Mahlzeiten bewegen. Was für Menschen wie der perfekte Urlaubstag klingt, ist für viele Wellensittiche leider Alltag. Denn zu wenig Beschäftigung und Bewegung kann nicht nur pupslangweilig sein, sondern birgt auch die von vielen Haltern unterschätzte Gefahr des Federrupfens oder der Verfettung.

Wellensittiche in freier Wildbahn sind den ganzen Tag beschäftigt: die Futter- und Wassersuche nimmt in den Morgen- und Abendstunden die meiste Zeit ein. Wer die beeindruckenden Filmaufnahmen von Wellensittichen im Outback kennt, der sieht, dass die kleinen Meisterflieger fast immer in Bewegung sind. Selbst in Ruhephasen sind die wilden Australier immer auf der Hut vor Fressfeinden. Langeweile kommt da keine auf!

In unseren Haushalten sieht es ganz anders aus: Die dicken Pupsis sitzen den größten Teil des Tages auf ihrer Lieblingsschaukel und pfeiffen sich fröhlich eins. Obwohl ich schon über die Futterzusammensetzung und die Futterzeiten regulierend versuche auf das Gewicht meiner Wellis positiv einzuwirken, schaute mich bis vor einigen Monaten meine Tierärztin mit hochgezogener Augenbraue an: „Frau Schacht, eines ist sicher, bei Ihnen verhungert definitiv keiner!“.

Wenn ich jetzt genauer drüber nachdenke, könnte sie auch mich oder meinen Freund gemeint haben… Egal, ganz oben auf meiner Neujahrsliste stand sowieso mehr Sport. Leider hatte mein Fitnessstudio Insolvenz angemeldet und weil es in Berlin wirklich schwer ist, ein neues Sportangebot zu finden, musste ich meine guten Vorsätze auf meine Wellensittiche übertragen. Klingt nachvollziehbar, nicht? 😉

Ich bin ein Freund unkomplizierter Beschäftigungsmöglichkeiten, da ich ich unter der Woche wenig Zeit habe. Auch weiß ich, dass man immer wieder ambitioniert anfängt, seine Wellensittichhaltung zu verbessern… und es nach ein paar Tagen oder Wochen wieder einschläft. Und ich bin da sicher nicht die einzige, die Opfer der Alltagsroutine ist!

Ich habe mir und meinen Wellensittichen einen Beschäftigungsplan geschrieben, den ich alle paar Wochen mal umstelle. Das ist aber eigentlichen nicht nötig, da Wellensittiche keine 7-Tage-Woche kennen und es im Grunde nur wichtig ist, dass konstant jeden Tag etwas im Käfig und/ oder Vogelzimmer verändert wird.


Oft höre oder lese ich, dass Halter sich darüber enttäuscht zeigen, dass ihre Wellensittiche nicht mutig genug seien, um Veränderungen anzunehmen, und dann jegliche Beschäftigungsmöglichkeiten einstellen. Das ist aber verkehrt!

1. Wer seinen Wellensittichen aus falscher, wenn auch gut gemeinter Rücksichtnahme permanent vor Neuem schont, der „erzieht“ sich Angsthasen heran. Gerade bei ängstlichen Tieren würde ich Veränderungen regelmäßig durchführen. Schnell erkennen unsere klugen Papageien, dass neues Spielzeug keine wellifressenden Monster sind. Das macht sie von Mal zu Mal mutiger und stärkt auch ihr Selbstbewusstsein.

2. Viele Halter unterschätzen den Beschäftigungsgrad des Beobachtens. „Meine Wellis sitzen nur auf der Gardinenstange, wenn ich etwas im Käfig/Vogelzimmer verändere“, lese ich häufig. Das mag zwar sein, aber auch das Beobachten hat eine Beschäftigungswirkung analog des natürlichen Verhaltens der wilden Wellesittiche, die ihre Umgebung nach Gefahren abscannen. Es schadet also nicht, auch im Zimmer mal Kissen neu zu beziehen, ein  anderes Bild aufzuhängen oder eine rote Tagesdecke gegen eine grüne auszutauschen.

Ihr seht, die Beschäftigung unserer Stubenadler kan so einfach sein! Damit auch ihr nicht im Alltag vergesst, euren Wellis täglich Abwechslung zu bieten, liegen im neuen Downloadbereich zwei Vorlagen eines Beschäftigungsplans zum Ausdrucken und Beschreiben für euch bereit. Nun viel Spaß mit meinem neuestens Video mit einigen einfachen Ideen für den Alltag. 🙂

 

Wellensittichkekse selber machen

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Die Regale in den Zoogeschäften und Supermärkten sind voll mit Crackern, Keksen und Knabberstangen. Schön bunt sehen sie aus und werben mit „extra viel Obst & Honig“. Warum aber gerade das ein Argument gegen den Kauf sein sollte und warum es sich lohnt, selber Kekse, Cracker und Co. für seine Wellensittiche herzustellen, erfährst du im folgenden Beitrag!

img_5115_2Vermutlich hatte jeder schon mal eine Packung Knabberstangen in der Hand und war gewillt, diese für seine Tiere zu kaufen. Die Hoffnung, seinen Tieren damit eine Freude zu machen und sie mit Futtersuche zu beschäftigen,schwingt mit. Obwohl viele Unternehmen mit Slogans wie „mit extra Honig“ oder „mit viel Obst“ werben, sollte man erstens kritisch die Zutatenliste lesen und zweitens wissen, was unsere Wellensittiche brauchen und vor allem, was ihnen schadet. Denn von den gesundheitlichen Problemen des Übergewichtes abgesehen, sind viele Wellensittiche mit dem Erreger Macrorhabdiose infiziert. Macrorhabdiose ist ein Hefepilz im Darm, bei dem das erkrankte Tier aufgenommene Nahrung mehr oder weniger unverdaut wieder ausscheidet und so verhungern kann. Wie alle Hefen braucht auch der Macrorhabdus ornithogaster Zucker (Saccharose und Fructose) zu wachsen. Da dieser Hefepilz bei vielen Wellensittichen latent vorliegt, d. h. akuten Symtome müssen nicht zwangsweise zu erkennen sein, sollte man grundsätzlich sehr vorsichtig mit der Gabe von Obst sein. Da Wellensittiche aus den eher kargen Regionen Australiens kommen, ist es nicht weiter schlimm, wenn man kein Obst füttert, sondern sich auf diverse Gräser, Samen und Kräuter bei der Fütterung konzentriert. Industriell gefertigte Produkte enthalten darüber hinaus neben dem gesundheitsschädlichen Zucker oft auch sogenannte „Bäckereinebenerzeugnisse“, was im Klartext auch altes Brot oder Kuchen sein kann. Diese Kümel werden oft bunt eingefärbt und dem Tierhalter als „Fruchtstücke“ verkauft.

img_5112 Doch was heißt das jetzt für uns Wellensittichhalter bezogen auf die Knabberstangen? Ja, richtig, ihr ahnt es schon: selber backen! Denn nur bei Selbstgemachtem wissen wir, was drin ist 😉

Bei der Suche im Internet ist mir aufgefallen, dass sich bereits viele Papageienfreunde mit dem Thema beschäftigt haben und diverse – gute, aber auch schlechte – Rezepte durch das World Wide Web kursieren. Vielleicht bin ich manchmal etwas zu kritisch, aber in Bezug auf die Wellikekse suchte ich die „eierlegende Wollmilchsau“. Oder besser: ein Rezept ohne Ei, Mehl, Honig, Zucker, Obst…

img_5096Ihr werdet es nicht erraten, wie ich auf die Lösung nach solchen Keksen kam: beim Abwaschen! Der Kartoffelstampf vom Mittagessen klebte nur wenige Stunden nach dem Essen so bombenfest am Teller, dass ich Mühe hatte, ihn abzubekommen. Und voila – damit haben wir auch schon unsere Grundlage für den „Teig“ unserer Wellipralinen: eine kleine, noch lauwarme Pellkartoffel (bitte ohne Salz kochen) und 2-3 EL Körnerfutter! Darauf aufbauend, kann man das Grundrezept um weitere Zutaten, wie verschiedene Hirsesorten, Amaranth, Pagima Green, Delicha, Fonio Paddy, Knaulgras, u. v.m., erweitern.

Zusammen mit der welliverrückten Tweety Mi-Familie haben wir zwei Kreationen der Wellikekse und Welliknabberkugeln für euch auf Video festgehalten.

Rezept für acht KörnerkugelnGemüsebällchen
„Scharfes Möhrchen“:
– eine kleine Möhre
– eine kleine Kartoffel
– 4-5 Blätter Basilikum
– 2 EL Körnerfutter

 

ACHTUNG: Wellensittiche mit Macrorhabdiose, also „Megapatienten“, bitte nicht ohne Rücksprache mit dem vogelkundigen Tierarzt mit den Kartoffelkeksen füttern, da die Stärke auch in Zucker umgewandelt werden kann! Bei Megapatienten bitte jede Futteränderung mit dem behandelnden Tierarzt abstimmen.

Möchtest du mich unterstützen? Unter Produktempfehlungen habe ich wellensittichgerechte Produkte mit amazon verlinkt. Kaufst du über diesen Link ein Produkt, erhalte ich von amazon eine kleine Provision. Der Preis ändert sich für dich nicht!

Körnerschubse

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„Was für eine Nacht“, denke ich verpennt, als mich der Wecker um 5:30 Uhr aus dem Bett klingelt! Um Mitternacht in die Federn gekommen, ließ mich gegen drei Uhr die erste Panikattacke in der Voliere senkrecht im Bett stehen… nach dem vierten „Night fright“ in Folge schaltete ich das Licht erst gar nicht mehr aus, sondern ließ es die restlichen Stunden bis zum Morgen an. Ich war erledigt und fragte mich, ob ich den Tag überstehen würde!

„Tschööööp, tschööööp!“, werde ich fröhlich angebrüllt, während ich im Schummerlicht Richtung Badezimmer schlurfe. „Tschööö-höööp!“, setzt es etwas lauter und eindringlicher nach, als ich Anstalten mache, die Tür hinter mir zuzuziehen. Leicht genervt drehe ich mich um und schleppe mich ergeben zur Futterbar hin, um die Näpfe zu füllen. „Sch***** W*****, ihr kleinen Ter****, wenn ihr noch einmal ****, dann ******! [Anm. der Red.: Dieser Teil des Monologs ist aus tierschutzrechtlichen Gründen zensiert worden!] Ihr frühen Vögel könnt **** mal!“, brabbel ich vor mich hin, als ich die Näpfe brav im Käfig verteile. Meine Wellensittiche schauen mich sichtlich zufrieden an, hatte ich schlussendlich doch die gewohnte Reihenfolge eingehalten: erst füttern, dann duschen! Für mein Frühstück bleibt meist keine Zeit mehr, unnötig also, es mit aufzuzählen. „Frühstück wird eh überbewertet!“, rede ich mir seit Jahren ein.

Als ich unter Zeitdruck und noch mit nassen Haaren wieder ins Zimmer hechte, um nach Portemonnaie und Schlüsseln zu angeln, sitzen die kleinen Rabauken ganz friedlich auf ihren Schlafschaukeln, Köpfchen unter den Flügeln und holen den Schlaf der Gerechten nach.

War es Hassliebe oder blanker Neid, den ich in diesem Moment verspürte, als ich die Tür ins Schloss fallen ließ und mich in die verregnete, windig-kalte Dunkelheit Richtung Arbeitsstelle begab? Ich weiß ich es nicht! „Tee?“, fragte mich meine Kollegin mitleidig, als ich eine dreiviertel Stunde später das Büro betrete; ich muss wirklich jämmerlich ausgesehen haben und so fühlte ich mich den Rest des Tages auch…

„Das ist wohl der Preis, den wir Menschen bezahlen, wenn wir uns Haustiere anschaffen“, sinniere ich später am Tag auf dem Rückweg in der Bahn. „Wenn man es so betrachtet“, denke ich so vor mich hin, „irgendwie auch wieder gerecht, schließlich drücken wir unseren Tieren im Alltag permanent UNSEREN Willen auf.“ Will ich also mal nicht so nachtragen sein, lobe mich innerlich für diese generöse Haltung meinen Wellensittichen gegenüber und wende ich mich selbstherrlich meinem Skript zu. Skript? Ja, ich studiere neben dem Beruf noch BWL und habe dieses Semester passenderweise einen Wahlpflichtkurs in Personalführung. Praktisch, praktisch! Von den eigenen Gedanken an Macht, Herrschaft und Schwarm-, ähh Personalführung eingelullt, schlage ich nichtsahnend das Heft auf.

Auf Seite 1 werde ich von altägyptischen Zeichen begrüßt. Darüber steht: „[…] Führung [ist] ein universelles Phänomen, das alle Kulturen betroffen und (vermutlich zu allen Zeiten) beschäftig hat. Dokumentiert ist dies bereits bei den Ägyptern vor 5000 Jahren, deren Hierogylphen Entsprechungen für den Führungsbegriff besaßen (vgl. Abbildung1).“

Personalführung I, FernUni Hagen

Geschockt starre ich auf die Hieroglyphen. Langsam fällt der Groschen:

fuehrung
fuehrer
gefuehrter
5000 Jahre? FÜNFTAUSEND Jahre Welliherrschaft??? Habe ich als Vogelhalter jemals überhaupt auch nur die kleinste Idee einer Chance auf ein selbstbestimmtes, freies Leben? Hing mein Glück nicht schon immer von den Launen meiner Tiere ab und meine finanzielle Situation von ihrer Gesundheit? Ist es nicht so, dass ich immer hippelig werde, wenn ich nicht mindestens eine Viertelstunde vor der Fütterungszeit zu Hause bin? Ich erinnerte mich plötzlich an einen Spruch, den ich irgendwo mal gelesen hatte: „Hunde haben Herrchen, Katzen haben Diener… und Vögel haben Sklaven!“ Ich begann langsam zu verstehen!

Noch ganz aufgewühlt von der überraschenden Erkenntnis, laufe ich wie selbstverständlich noch in den Supermarkt vor’m Haus, um Minigurken und Snackmöhrchen für meine Wellensittiche zu kaufen. Eine elendig lange Schlange lässt mich ganz hibbelig werden. Mensch, Leute, macht hinne, ich habe kleine Wellensittche zu Hause!

Es ist schon fünf Minuten über der üblichen Fütterungszeit, als ich meine Haustür erreiche. Bereits unten am Fahrstuhl des Hochhauses vernehme ich die glockenhellen Pfiffe meiner Tiere. Als ich zwei Minuten später meine Wohnung betrete, herrscht plötzlich eine eisige Stille im Raum. Acht Augenpaare fixieren mich und scheinen süffisant zu fragen: „Na, Körnerschubse, wo waren wir denn heute so lange?“

Giftalarm?!?

Es scheint eine Gesetzmäßigkeit der Natur zu sein, dass kleine Lebewesen keine gegarten Möhrchen mögen und dass große Lebewesen es am Liebsten mögen, ebendiese Möhrchen in kleinen Lebewesen zu stecken.

Ein ereignisreiches Wochenende liegt hier uns: Nach über drei Wochen sind Sunny und Purzel frisch gebadet, gefüttert und vollständig durchgemausert von ihren Wellieltern wieder abgeholt worden. Die Zeit ging schnell vorbei und die beiden sind immer herzlich willkommen. Bereits im Februar wird es wieder der Fall sein – oder wie es zwischen uns zum „Running gag“ geworden ist: „Bis zur nächsten Mauser!“

Die Mauser hat momentan alle Schwarmmitglieder voll im Griff: Violetta sieht aus wie ein gerupftes Suppenhuhn und Antonia lässt selbst Experten staunen: Seit Donnertag wächst ihr ein Federkiel aus dem Augenlid! Nachdem ich am Abend zuvor der Vogelpraxis eine Nahaufnahme geschickt hatte, erhielt ich am Freitagvormittag einen Anruf von dem Praxisteam. So etwas kommt auch nicht alle Tage vor und man riet mir, den (durchbluteten) Federkiel erst einmal in Ruhe zu lassen, solange sich Antonia daran nicht stört. Da ich demnächst mir Violetta zur Nachkontrolle wegen des Bauchbruchs muss, werde ich Antonia dann mitnehmen.

Während der Mauser ist eine ausreichende Vitaminzufuhr besonders wichtig. Kieselsäure sorgt für gesunde und glänzende Federn und ist in Gurke enthalten. Da Gurke aber sehr viel Wasser enthält und Welli davon flüssigen Kot bekommen, sollte sie nur in Maßen gefüttert werden. Glücklichweise lieben meine Plüschies alles was grün ist – inklusive meines Kapuzenpullis (jetzt Wellipulli)… und damit kommen wir zum eigentlichen Drama, das sich heute morgen in der Voliere abspielte.

Seit zwei Jahren versuche ich immer wieder erfolglos Möhren in die Flauschkugeln zu bekommen. Karotten wären einfach die ideale, gesunde Knabberstange: reich an Beta-Carotin (Vorstufe von Vitamin A), Eisen, das für die Blutbildung wichtig ist, Mineralstoffe Kalzium und Zink sowie die Vitamine C & K und Folsäure! Ein echtes superfood, das ich diesen Sommer sogar selber in meinen Balkonkästen anpflanzte, um absolute Schadstofffreiheit zu garantieren… schön, dass wenigstens das Möhrengrün wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde.

Während ich die letzten zwei Jahre also den Hampelmann vorm Käfig mache, um den Kleinen meine Powermöhrchen schmackhaft zu machen, werden diese nicht mal mit dem Plüschpopo angesehen. Da kann ich machen, was ich will: am Stück, geschnitten, gewürfelt, julienne, gehackelt, geschreddert, gerieben, in Scheiben oder Blöcken – nix zu machen! Letzte Woche aber laß ich im Blog der Papageienbäckerei von gegarten Möhrchen in Kartoffelbällchen. Klar, dass ich diese letzte aller Möglichkeiten nicht auslassen wollte und bereitete am Samstagabend für das Sonntagsfrühstück alles vor.

Kaum waren die Möhrchenbällchen im Käfig, war der Käfig auch schon wellifrei. Panisch flogen alle sechs durch das Zimmer und brüllten ganz Berlin zusammen, als würde ich sie vergiften wollen. Ich blieb hart. Heute gibt es Möhrchen! Bockig sitzen wir vor dem Käfig. Schließlich siegt der Hunger – zumindest bei mir. Ich gehe in die Küche und höre plötzlich leise Tippelgeräusche auf dem Käfigboden. Die Gemüsebällchen scheinen zu schmecken.

Ganz euphorisch zerhacke ich abends eine weitere gegarte Möhre – man muss schließlich dran bleiben, denke ich. Damit das Möhrchen nicht übersehen wird, stelle ich den Futternapf auf die Anflugklappe des Käfigs. Bereits kurze Zeit später wuseln alle Wellensittiche im Topf rum. Solz stehe ich vor dem Käfig, um die leere (!) Tonschale wegzuräumen. Ich werde erwartungsvoll angesehen. Wieso eigentlich? Es war doch eine ganze gegarte Möhre! Hunger dürften die sechs eigentlich nicht mehr haben…

„TSCHÖÖÖÖÖP!“, werde ich angebrüllt, während sich der lauwarme Möhrchenbrei einen Weg durch die Unterseiten meiner Socken sucht. Ich seufze und tippel auf Zehenspitzen zum Regal mit dem Körnerfutter…