Wellensittiche zähmen in fünf Schritten

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Wellensittiche zähmen in fünf Schritten. Geht das? Ja! Mit den folgenden Tipps kannst du sowohl zu jungen als auch zu älteren Wellis Vertrauen aufbauen.

In diesem Beitrag geht es um die fünf wichtigsten Schritte, um das Vertrauen von Wellensittichen zu gewinnen. Der Artikel basiert auf dem Video „Wellensittiche zähmen in fünf Schritten“, das ich vor rund drei Jahren auf YouTube veröffentlicht habe (siehe Video am Ende des Beitrags). Es wurde bereits über eine halbe Million mal gesehen und hat vielen Haltern geholfen. Nur dass wir uns richtig verstehen, „in fünf Schritten“ heißt natürlich nicht „in fünf Minuten“. 😉 Vertrauen baut man über einen langen Zeitraum auf. Es dauert manchmal Wochen, manchmal Monate und in einigen Fällen auch Jahre, bis wir da sind, wo wir hin wollen. Außerdem hat jeder eine andere Definition von zahm.

Die Tipps in diesem Blogbeitrag stellen die Grundlage des Vertrauensaufbaus dar. Es handelt sich nicht um konkrete Übungen oder gar einen Trainingsplan. Auch wem es egal ist, ob seine Wellensittiche auf den Finger kommen oder nicht: die Schritte 1-3 kann jeder machen. Sie erleichtern den täglichen Umgang mit den Wellensittichen. Schließlich ist es für die Vögel nicht nur ein großer Stress, wenn sie ihrem Halter nicht vertrauen, sondern panische Flüge durch das Zimmer oder die Voliere birgen immer auch ein großes Verletzungsrisiko!

Die Grundlage der fünf Schritte basiert auf einem fairen Umgang und einer welligerechten Unterbringung. Denn eines ist klar: Ich bin absolut gegen Einzelhaltung! Auch eine temporäre Einzelhaltung zum Zwecke der Zähmung lehne ich ab. Des weiteren bin ich strikt dagegen, dass Küken zu früh von ihren Eltern getrennt oder gar von Hand aufgezogen werden, damit sie besser auf den Menschen fehlgeprägt werden.

 

Wellensittiche zähmen in fünf Schritten

1. Schritt: Käfig & Freiflugzimmer

Das Hauptproblem, weshalb Wellensittiche oft Panikattacken bekommen, ist, dass der Käfig falsch platziert ist. Damit sich eure Wellensittiche bei euch wohlfühlen und sich entspannen können, stellt den Käfig und die Spiel-/Landeplätze mindestens so hoch, dass die Tiere auf eurer Augenhöhe sind. Auch in der Natur sitzen Vögel immer oben im Baum und haben von dort eine gute Übersicht. Wellensittiche Blog Neues Vogelzimmer Käfig VoliereSteht der Käfig zu tief und können die Wellis ihrem Drang nach oben zu fliegen nicht nachkommen, bedeutet es unglaublichen Stress für die Tiere.

Damit sich Vögel sicher fühlen, brauchen sie Rückzugsorte. Daher ist es für den Vertrauensaufbau immens wichtig, dass ihr die Tiere nicht bedrängt. Aus diesem Grund solltet ihr niemals im Käfig üben. Der Käfig oder die Voliere ist – wie damals auf dem Schulhof beim Fangen – klipp(o)! Viele denken immer, der Käfig ist etwas Schlimmes und Unzumutbares für die Wellensittiche. Also macht ihn zu einem Ort, an dem sich eure Wellensittiche entspannen und zurückziehen können, wenn es ihnen im Freiflugzimmer zu stressig wird.

2. Schritt: Selbstvertrauen stärken

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Beschäftigt eure Tiere artgerecht und bietet ihnen täglich neue Umweltreize, zum Beispiel in Form von Spielzeug, Frischfutter und Co. Damit ihr nicht motivert anfangt und es nach ein paar Wochen im Alltag schleifen lasst, empfehle ich euch einen individuellen Beschäftigungsplan zu erstellen. Wie ihr das macht, erkläre ich euch in dem Beitrag Beschäftigungsplan für Wellensittiche. Ihr stärkt mit immer neuen Dingen das Selbstvertrauen eurer Wellensittiche. Das macht sie insgesamt mutiger. Und mutige Wellensittiche braucht ihr für das eigentliche Training.

Oft höre ich: „Aber meine Wellensittiche haben Angst vor Neuem“ oder „Meine Wellensittiche sind schon zu alt, um sich für Neues zu begeistern“. Nein! Es ist nie zu spät seine Wellensittiche mit welligerechtem Spielzeug zu beschäftigen. Oft sucht der Halter nur das falsche Spielzeug aus oder hängt es (aus Vogelsicht) an die falsche Stelle. Wechselt daher regelmäßig das Spielzeug aus oder hängt es einfach nur im Zimmer um! Ihr werdet sehen, bald können es eure Wellensittiche kaum erwarten etwas Neues zu erkunden!

3. Schritt: Vertrauen gewinnen durch das Käfiggitter

Ängstliche Wellensittiche fühlen sich oft nur in ihrem Käfig sicher. Verbringt daher am Anfang viel Zeit in der Nähe des Käfigs. Beschäftigt euch mit ruhigen Dingen, zum Bespiel lesen. Vermeidet direkten Blickkontakt und redet mit leiser Stimme. Flüchten die Tiere nicht mehr bei eurem Anblick, könnt ihr anfangen sie mit Hirse an das Gitter zu locken. Vermeidet auch hier am Anfang Blickkontakt und stellt euch ins Profil. Warum? Fluchttiere haben ihre Augen seitlich, um einen Rundumblick zu haben. Beutegreifer haben ihre Augen hingegen frontal, um Beutetiere besser fixieren zu können. Wellensittiche fühlen sich daher anfangs vom Menschen extrem bedroht, wenn wir sie direkt anschauen. Macht die Futterübung am besten jedes Mal, wenn ihr am Käfig vorbeikommt. Auch wenn diese Übung unspektakulär aussieht, ist sie der wichtigste Schritt im Vertrauensaufbau. Die Wellensittiche lernen nämlich folgende drei Dinge:

1. Der Käfig ist ein sicherer Ort; der Mensch mit seinen Händen bleibt vor dem Gitter.
2. Der Mensch, der kommt, bedrängt mich nicht.
3. Der Mensch ist toll, da er immer leckere Geschenke mitbringt. Ihr werdet sehen, schon bald werdet ihr freudig erwartet! 😀

Wellensittiche Blog Vogel am KäfiggitterBei übergewichtigen Wellis könnt ihn natürlich statt Hirse auch Basilikum, Salat oder anderes Grünzeug nehmen. Diese Futterübung ist übrigens nicht nur für den Vertrauensaufbau wichtig. Ängstlichen, kranken Wellensittichen kann man über diese Methode auch Medikamente geben. Meine Wellihenne Violetta musste eine Weile Schmerzmittel bekommen. Ich konnte sie wie gewohnt ans Gitter locken und sie nahm mir den Tropfen ab. Auch litt sie anfänglich an Ballengeschwüren, die lokal behandelt werden mussten. Auch hier konnte sie durch diese Übung stressfrei von mir versorgt werden. Ich habe sie so ans Gitter lockt, dass sie mit den Füßchen am Gitter hing und ich bequem die Salbe auftragen konnte. Alles ohne Fangen!

WICHTIG: Leider erlebe ich immer wieder, dass Halter sich weigern ihren Wellensittichen Freiflug zu gewähren, weil sie „noch nicht zahm“ sind. An dieser Stelle sei nochmal konkret darauf hingewiesen, dass in der Zeit, in der ihr am Käfiggitter übt, die Tiere selbstverständlich auch ihren täglichen Freiflug bekommen müssen! Also bitte denkt nicht, dass die Wellensittiche nicht rauskommen dürfen, nur weil die Gitter-Übung noch nicht sitzt! Am besten baut man diese Übung morgens und abends in seinen Alltag ein, wenn die Vögel noch, beziehungsweise schon im Käfig sind.

4. Schritt Vertrauen gewinnen im Freiflug

Die Übungen am Käfiggitter werden später im Freiflug fortgesetzt. Erst in der Nähe der Voliere, später im ganzen Zimmer. Um seine Tiere später im Training rufen zu können, verbindet die Hirse oder die Leckerei mit einem Wort, zum Beispiel: „Komm!“

Wichtig: Wenn ein Wellensittich vor eurer Hand zurückweicht, schiebt diese nicht hinterher, sondern nehmt Druck aus der Situation und weicht lieber zurück. Achtet auch auf winzigkleine Anzeichen: Ziehen sich die Pupillen zusammen? Legt der Vogel sein Gefieder an? Leht er sich mit dem Oberkörper leicht zurück oder macht sich steif? Dann die Hand soweit zurücknehmen, bis der Welli wieder völlig entspannt dasitzt! Das ist im Training übrigens der häufigste Fehler, den Halter machen. Viele merken erst, dass sie ihrem Sittich zu sehr bedrängt haben, wenn dieser bereits weggeflogen ist. Ups! 😉

5. Schritt: Erste kleine Übungen

Tägliche Trainingseinheiten von fünf bis zehn Minuten reichen. Die Devise lautet: lieber viele kleine Übungen, als die Tiere einmal in der Woche mit stundenlangem Training zu überfordern.

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Mal abgesehen davon, dass sich für uns die fünf Minuten am Tag leichter einbauen lassen, haben Wellensittiche auch keine große Aufmerksamkeitsspanne.

Zum Thema Zeitmanagement im Training von Papageien & Sittichen hat Ann Castro einen interessanten Podcast verfasst. Wenn ihr Lust und Zeit habt, dann könnt ihr mit euren Wellensittichen jetzt auch clickern. Clickertraining ist eine tolle Beschäftigungsmöglichkeit und hat zudem den Vorteil, dass ihr gleich ein Medical Training für den Notfall mit einbauen könnt. Dazu gibt es auch ein Buch von Ann Castro: Clickertraining*. Ein persönliches Coaching könnt ihr direkt bei der Vogelschule* von Ann Castro buchen.

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Wellensittiche zähmen in fünf Schritten  – Das Video

Hier ist das beliebte Video, dass bereits über 507.000 mal auf YouTube gesehen worden ist und vielen Haltern geholfen hat!


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