Wellensittichkekse selber machen

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Die Regale in den Zoogeschäften und Supermärkten sind voll mit Crackern, Keksen und Knabberstangen. Schön bunt sehen sie aus und werben mit „extra viel Obst & Honig“. Warum aber gerade das ein Argument gegen den Kauf sein sollte und warum es sich lohnt, selber Kekse, Cracker und Co. für seine Wellensittiche herzustellen, erfährst du im folgenden Beitrag!

img_5115_2Vermutlich hatte jeder schon mal eine Packung Knabberstangen in der Hand und war gewillt, diese für seine Tiere zu kaufen. Die Hoffnung, seinen Tieren damit eine Freude zu machen und sie mit Futtersuche zu beschäftigen,schwingt mit. Obwohl viele Unternehmen mit Slogans wie „mit extra Honig“ oder „mit viel Obst“ werben, sollte man erstens kritisch die Zutatenliste lesen und zweitens wissen, was unsere Wellensittiche brauchen und vor allem, was ihnen schadet. Denn von den gesundheitlichen Problemen des Übergewichtes abgesehen, sind viele Wellensittiche mit dem Erreger Macrorhabdiose infiziert. Macrorhabdiose ist ein Hefepilz im Darm, bei dem das erkrankte Tier aufgenommene Nahrung mehr oder weniger unverdaut wieder ausscheidet und so verhungern kann. Wie alle Hefen braucht auch der Macrorhabdus ornithogaster Zucker (Saccharose und Fructose) zu wachsen. Da dieser Hefepilz bei vielen Wellensittichen latent vorliegt, d. h. akuten Symtome müssen nicht zwangsweise zu erkennen sein, sollte man grundsätzlich sehr vorsichtig mit der Gabe von Obst sein. Da Wellensittiche aus den eher kargen Regionen Australiens kommen, ist es nicht weiter schlimm, wenn man kein Obst füttert, sondern sich auf diverse Gräser, Samen und Kräuter bei der Fütterung konzentriert. Industriell gefertigte Produkte enthalten darüber hinaus neben dem gesundheitsschädlichen Zucker oft auch sogenannte „Bäckereinebenerzeugnisse“, was im Klartext auch altes Brot oder Kuchen sein kann. Diese Kümel werden oft bunt eingefärbt und dem Tierhalter als „Fruchtstücke“ verkauft.

img_5112 Doch was heißt das jetzt für uns Wellensittichhalter bezogen auf die Knabberstangen? Ja, richtig, ihr ahnt es schon: selber backen! Denn nur bei Selbstgemachtem wissen wir, was drin ist 😉

Bei der Suche im Internet ist mir aufgefallen, dass sich bereits viele Papageienfreunde mit dem Thema beschäftigt haben und diverse – gute, aber auch schlechte – Rezepte durch das World Wide Web kursieren. Vielleicht bin ich manchmal etwas zu kritisch, aber in Bezug auf die Wellikekse suchte ich die „eierlegende Wollmilchsau“. Oder besser: ein Rezept ohne Ei, Mehl, Honig, Zucker, Obst…

img_5096Ihr werdet es nicht erraten, wie ich auf die Lösung nach solchen Keksen kam: beim Abwaschen! Der Kartoffelstampf vom Mittagessen klebte nur wenige Stunden nach dem Essen so bombenfest am Teller, dass ich Mühe hatte, ihn abzubekommen. Und voila – damit haben wir auch schon unsere Grundlage für den „Teig“ unserer Wellipralinen: eine kleine, noch lauwarme Pellkartoffel (bitte ohne Salz kochen) und 2-3 EL Körnerfutter! Darauf aufbauend, kann man das Grundrezept um weitere Zutaten, wie verschiedene Hirsesorten, Amaranth, Pagima Green, Delicha, Fonio Paddy, Knaulgras, u. v.m., erweitern.

Zusammen mit der welliverrückten Tweety Mi-Familie haben wir zwei Kreationen der Wellikekse und Welliknabberkugeln für euch auf Video festgehalten.

Rezept für acht KörnerkugelnGemüsebällchen
„Scharfes Möhrchen“:
– eine kleine Möhre
– eine kleine Kartoffel
– 4-5 Blätter Basilikum
– 2 EL Körnerfutter

 

ACHTUNG: Wellensittiche mit Macrorhabdiose, also „Megapatienten“, bitte nicht ohne Rücksprache mit dem vogelkundigen Tierarzt mit den Kartoffelkeksen füttern, da die Stärke auch in Zucker umgewandelt werden kann! Bei Megapatienten bitte jede Futteränderung mit dem behandelnden Tierarzt abstimmen.

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Körnerschubse

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„Was für eine Nacht“, denke ich verpennt, als mich der Wecker um 5:30 Uhr aus dem Bett klingelt! Um Mitternacht in die Federn gekommen, ließ mich gegen drei Uhr die erste Panikattacke in der Voliere senkrecht im Bett stehen… nach dem vierten „Night fright“ in Folge schaltete ich das Licht erst gar nicht mehr aus, sondern ließ es die restlichen Stunden bis zum Morgen an. Ich war erledigt und fragte mich, ob ich den Tag überstehen würde!

„Tschööööp, tschööööp!“, werde ich fröhlich angebrüllt, während ich im Schummerlicht Richtung Badezimmer schlurfe. „Tschööö-höööp!“, setzt es etwas lauter und eindringlicher nach, als ich Anstalten mache, die Tür hinter mir zuzuziehen. Leicht genervt drehe ich mich um und schleppe mich ergeben zur Futterbar hin, um die Näpfe zu füllen. „Sch***** W*****, ihr kleinen Ter****, wenn ihr noch einmal ****, dann ******! [Anm. der Red.: Dieser Teil des Monologs ist aus tierschutzrechtlichen Gründen zensiert worden!] Ihr frühen Vögel könnt **** mal!“, brabbel ich vor mich hin, als ich die Näpfe brav im Käfig verteile. Meine Wellensittiche schauen mich sichtlich zufrieden an, hatte ich schlussendlich doch die gewohnte Reihenfolge eingehalten: erst füttern, dann duschen! Für mein Frühstück bleibt meist keine Zeit mehr, unnötig also, es mit aufzuzählen. „Frühstück wird eh überbewertet!“, rede ich mir seit Jahren ein.

Als ich unter Zeitdruck und noch mit nassen Haaren wieder ins Zimmer hechte, um nach Portemonnaie und Schlüsseln zu angeln, sitzen die kleinen Rabauken ganz friedlich auf ihren Schlafschaukeln, Köpfchen unter den Flügeln und holen den Schlaf der Gerechten nach.

War es Hassliebe oder blanker Neid, den ich in diesem Moment verspürte, als ich die Tür ins Schloss fallen ließ und mich in die verregnete, windig-kalte Dunkelheit Richtung Arbeitsstelle begab? Ich weiß ich es nicht! „Tee?“, fragte mich meine Kollegin mitleidig, als ich eine dreiviertel Stunde später das Büro betrete; ich muss wirklich jämmerlich ausgesehen haben und so fühlte ich mich den Rest des Tages auch…

„Das ist wohl der Preis, den wir Menschen bezahlen, wenn wir uns Haustiere anschaffen“, sinniere ich später am Tag auf dem Rückweg in der Bahn. „Wenn man es so betrachtet“, denke ich so vor mich hin, „irgendwie auch wieder gerecht, schließlich drücken wir unseren Tieren im Alltag permanent UNSEREN Willen auf.“ Will ich also mal nicht so nachtragen sein, lobe mich innerlich für diese generöse Haltung meinen Wellensittichen gegenüber und wende ich mich selbstherrlich meinem Skript zu. Skript? Ja, ich studiere neben dem Beruf noch BWL und habe dieses Semester passenderweise einen Wahlpflichtkurs in Personalführung. Praktisch, praktisch! Von den eigenen Gedanken an Macht, Herrschaft und Schwarm-, ähh Personalführung eingelullt, schlage ich nichtsahnend das Heft auf.

Auf Seite 1 werde ich von altägyptischen Zeichen begrüßt. Darüber steht: „[…] Führung [ist] ein universelles Phänomen, das alle Kulturen betroffen und (vermutlich zu allen Zeiten) beschäftig hat. Dokumentiert ist dies bereits bei den Ägyptern vor 5000 Jahren, deren Hierogylphen Entsprechungen für den Führungsbegriff besaßen (vgl. Abbildung1).“

Personalführung I, FernUni Hagen

Geschockt starre ich auf die Hieroglyphen. Langsam fällt der Groschen:

fuehrung
fuehrer
gefuehrter
5000 Jahre? FÜNFTAUSEND Jahre Welliherrschaft??? Habe ich als Vogelhalter jemals überhaupt auch nur die kleinste Idee einer Chance auf ein selbstbestimmtes, freies Leben? Hing mein Glück nicht schon immer von den Launen meiner Tiere ab und meine finanzielle Situation von ihrer Gesundheit? Ist es nicht so, dass ich immer hippelig werde, wenn ich nicht mindestens eine Viertelstunde vor der Fütterungszeit zu Hause bin? Ich erinnerte mich plötzlich an einen Spruch, den ich irgendwo mal gelesen hatte: „Hunde haben Herrchen, Katzen haben Diener… und Vögel haben Sklaven!“ Ich begann langsam zu verstehen!

Noch ganz aufgewühlt von der überraschenden Erkenntnis, laufe ich wie selbstverständlich noch in den Supermarkt vor’m Haus, um Minigurken und Snackmöhrchen für meine Wellensittiche zu kaufen. Eine elendig lange Schlange lässt mich ganz hibbelig werden. Mensch, Leute, macht hinne, ich habe kleine Wellensittche zu Hause!

Es ist schon fünf Minuten über der üblichen Fütterungszeit, als ich meine Haustür erreiche. Bereits unten am Fahrstuhl des Hochhauses vernehme ich die glockenhellen Pfiffe meiner Tiere. Als ich zwei Minuten später meine Wohnung betrete, herrscht plötzlich eine eisige Stille im Raum. Acht Augenpaare fixieren mich und scheinen süffisant zu fragen: „Na, Körnerschubse, wo waren wir denn heute so lange?“

Giftalarm?!?

Es scheint eine Gesetzmäßigkeit der Natur zu sein, dass kleine Lebewesen keine gegarten Möhrchen mögen und dass große Lebewesen es am Liebsten mögen, ebendiese Möhrchen in kleinen Lebewesen zu stecken.

Ein ereignisreiches Wochenende liegt hier uns: Nach über drei Wochen sind Sunny und Purzel frisch gebadet, gefüttert und vollständig durchgemausert von ihren Wellieltern wieder abgeholt worden. Die Zeit ging schnell vorbei und die beiden sind immer herzlich willkommen. Bereits im Februar wird es wieder der Fall sein – oder wie es zwischen uns zum „Running gag“ geworden ist: „Bis zur nächsten Mauser!“

Die Mauser hat momentan alle Schwarmmitglieder voll im Griff: Violetta sieht aus wie ein gerupftes Suppenhuhn und Antonia lässt selbst Experten staunen: Seit Donnertag wächst ihr ein Federkiel aus dem Augenlid! Nachdem ich am Abend zuvor der Vogelpraxis eine Nahaufnahme geschickt hatte, erhielt ich am Freitagvormittag einen Anruf von dem Praxisteam. So etwas kommt auch nicht alle Tage vor und man riet mir, den (durchbluteten) Federkiel erst einmal in Ruhe zu lassen, solange sich Antonia daran nicht stört. Da ich demnächst mir Violetta zur Nachkontrolle wegen des Bauchbruchs muss, werde ich Antonia dann mitnehmen.

Während der Mauser ist eine ausreichende Vitaminzufuhr besonders wichtig. Kieselsäure sorgt für gesunde und glänzende Federn und ist in Gurke enthalten. Da Gurke aber sehr viel Wasser enthält und Welli davon flüssigen Kot bekommen, sollte sie nur in Maßen gefüttert werden. Glücklichweise lieben meine Plüschies alles was grün ist – inklusive meines Kapuzenpullis (jetzt Wellipulli)… und damit kommen wir zum eigentlichen Drama, das sich heute morgen in der Voliere abspielte.

Seit zwei Jahren versuche ich immer wieder erfolglos Möhren in die Flauschkugeln zu bekommen. Karotten wären einfach die ideale, gesunde Knabberstange: reich an Beta-Carotin (Vorstufe von Vitamin A), Eisen, das für die Blutbildung wichtig ist, Mineralstoffe Kalzium und Zink sowie die Vitamine C & K und Folsäure! Ein echtes superfood, das ich diesen Sommer sogar selber in meinen Balkonkästen anpflanzte, um absolute Schadstofffreiheit zu garantieren… schön, dass wenigstens das Möhrengrün wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde.

Während ich die letzten zwei Jahre also den Hampelmann vorm Käfig mache, um den Kleinen meine Powermöhrchen schmackhaft zu machen, werden diese nicht mal mit dem Plüschpopo angesehen. Da kann ich machen, was ich will: am Stück, geschnitten, gewürfelt, julienne, gehackelt, geschreddert, gerieben, in Scheiben oder Blöcken – nix zu machen! Letzte Woche aber laß ich im Blog der Papageienbäckerei von gegarten Möhrchen in Kartoffelbällchen. Klar, dass ich diese letzte aller Möglichkeiten nicht auslassen wollte und bereitete am Samstagabend für das Sonntagsfrühstück alles vor.

Kaum waren die Möhrchenbällchen im Käfig, war der Käfig auch schon wellifrei. Panisch flogen alle sechs durch das Zimmer und brüllten ganz Berlin zusammen, als würde ich sie vergiften wollen. Ich blieb hart. Heute gibt es Möhrchen! Bockig sitzen wir vor dem Käfig. Schließlich siegt der Hunger – zumindest bei mir. Ich gehe in die Küche und höre plötzlich leise Tippelgeräusche auf dem Käfigboden. Die Gemüsebällchen scheinen zu schmecken.

Ganz euphorisch zerhacke ich abends eine weitere gegarte Möhre – man muss schließlich dran bleiben, denke ich. Damit das Möhrchen nicht übersehen wird, stelle ich den Futternapf auf die Anflugklappe des Käfigs. Bereits kurze Zeit später wuseln alle Wellensittiche im Topf rum. Solz stehe ich vor dem Käfig, um die leere (!) Tonschale wegzuräumen. Ich werde erwartungsvoll angesehen. Wieso eigentlich? Es war doch eine ganze gegarte Möhre! Hunger dürften die sechs eigentlich nicht mehr haben…

„TSCHÖÖÖÖÖP!“, werde ich angebrüllt, während sich der lauwarme Möhrchenbrei einen Weg durch die Unterseiten meiner Socken sucht. Ich seufze und tippel auf Zehenspitzen zum Regal mit dem Körnerfutter…