Carpe Diem

Wellensittich-Küki-Slider

Carpe Diem – eine bekannte lateinische Sentenz, die dazu aufruft, jeden einzelnen Tag zu genießen, denn nichts ist so vergänglich und unwiederbringlich wie verstrichene Zeit. Als langjähige Besitzerin von mehreren Wellensittichen erlebt man viel Schönes und Lustiges, aber auch viel Leid und leider auch Abschiede. Dies ist die viel zu kurze Lebensgeschichte von dem Küken Pulcina.

Die schönsten Geschichten schreibt der Zufall. So habe ich vor zweieinhalb Wochen beim letzten Tierarztbesuch mit Violetti am Schwarzen Brett einen Aushang gesehen, auf der die Madeira II in Grau – also genau mein Käfig-Modell und nur 6 Monate benutzt – für einen Spottpreis angeboten worden ist. Klar, dass ich da gleich zugeschlagen wollte bei so vielen kranken Wellensittichen in letzter Zeit. Ich kann es durch meinen Krankenhausaufenthalt vor einem Jahr nur zu gut verstehen, was es heißt, wenn man krank ist und dann nicht mal seine gewohnte Umgebung hat. So geht es sicher auch meinen Wellensittichen, wenn sie im alten, kleinen Quarantänekäfig auf ihre Genesung warten müssen. Daher hielt ich schon seit Längerem die Augen nach einer zweiten Madeira II als Quarantänekäfig offen.

Am Samstag vor genau zwei Wochen, war es dann so weit: Die Verkäuferin nannte mir einen Treffpunkt auf dem Hof eines mit ihr befreundeten Papageien-Halters außerhalb von Berlin. Beim Abholen der Voliere haben mein Freund und ich dann festgestellt, dass es sich um einen Züchter handelt, der auch Wellensittiche verkauft. Schon beim ersten Blick in eine seiner Volieren sah ich, dass da unten auf dem Boden etwas durch den Kot kroch, was im ersten Augenblick nach einem Küken mit Behinderung oder PBFD aussah. Der Züchter meinte nur entschuldigend, dass ich mich nicht daran stören sollte, er ist einfach noch nicht dazu gekommen „es tot zu machen“. Ich spürte nur den eisigen Blick meines Freundes in meinem Rücken, der ganz klar „Nein!“ bedeutete, und wir gingen hinaus, um die Voliere zu demontieren. Nach einer kurzen, aber erfolglosen Diskussion unter vier Augen sind wir dann wieder Richtung Berlin gefahren. Kurz vor Berlin nahm mein Freund laut fluchtend die Ausfahrt in die entgegengesetzte Richtung und fuhr zurück zum Züchter. Der Herr war ziemlich überrascht, dass ich das kranke Küken haben wollte und schenkte es mir mit den mitleidigen Worten: „Ich kann Ihnen aber auch einen anderen geben, einen gesunden!“ Als ich ihm dann sagte, dass ich am Montag gleich zum Tierarzt gehe, meinte er noch, dass „wenn der nichts ist, dann kann ich den auch umtauschen“… wahrscheinlich sehr nett gemeint von dem Züchter, aber das Küken hätte keinen Tag länger überlebt, da es komplett abgemagert und dehydriert war. Eine liebe Bekannte aus der Welli.net-Gruppe, die sich ehrenamtlich und auf eigene Rechnung um Notfälle kümmert und diese nach der Genesung in gute Zuhause vermittelt, ist gleich vorbeigekommen und hat mir Handaufzuchtsfutter mitgebracht. Die erste Portion ist von dem Küki sofort verschlungen worden!

Am Montag war ich gleich beim vogelkundigen Tierarzt und bin erleichtert gewesen, dass anhand der Kotprobe und des Kropfabstriches nichts Auffälliges gefunden werden konnte. Der einzige Markel waren die verkrüppelten Füßchen, aber das Küken kam damit gut zurecht. Vier Tage lang habe ich das Küki mehrmals täglich mit der Pipette gefüttert. Ich hatte die kleine Henne, die wir Pulcina (italienisch für Küken) getauft haben, auch auf der Arbeit dabei. Ganz artig hat sie von Fütterung auf Fütterung in ihrer Transportbox gesessen und leise gewartet. Am Ende des vierten Tages war sie so fit und munter, dass sie nicht nur alleine fressen und trinken konnte, sondern sogar ihre ersten Flugversuche durch das Vogelzimmer unternommen hat. Ich war stolz wie Bolle! Ich hatte noch nie zuvor ein Küken per Hand gefüttert und es war eine anstrengende, aber wunderschöne Erfahrung. Wer nicht genau weiß, was ich mit anstrengend meine: So ein Küken muss mindestens 4x täglich gefüttert werden – und pro Fütterung sitzt man rund 1,5 Stunden! 😀

Meine Freude teilte ich auch auf meiner Facebook-Seite Wellensittiche Blog & Videos sowie in der Gruppe Wellensittiche -Senioren&Handicaps-. In dieser Gruppe finden Halter von älteren, chronisch kranken und behinderten Wellensittichen Rat, Hilfe und Beistand. Die Resonanzen waren überwältigend: Anscheinend hatte Küki nicht nur mich mit ihren süßen Kopfäuglein in ihren Bann gezogen!

Die erste Woche verging mit Küki wie im Flug. Durch die anstehenden Klausuren hatte ich mit drei Urlaubstagen mein Wochenende verlängert, so dass ich nicht nur intensiv lernen, sondern auch die Zeit mit Küki, Violetti und den anderen Wellis genießen konnte. Da sich Violettas Zustand nicht bessert, widme ich ihr und den anderen in den letzten Wochen ganz bewusst meine wenige Zeit, die mir neben Arbeit und Studium bleibt. Man weiß nie, wie viele gemeinsame Stunden uns noch bleiben.

Pulcina-Küki war zwar tagsüber, wenn ich arbeiten war, in der baugleichen Quarantänevoliere untergebracht, aber nachmittags und abends hüpfte sie mit den anderen durch das Zimmer. Pulcina flog bereits nach wenigen Tagen wie eine „Große“ durch den Raum, landete immer sanft auf der Voliere und erkundete schon ihr baldiges Zuhause. Trotz der küppligen Zehen konnte sie klettern und sich sicher auf den Stangen, Zweigen und Seilen halten. Die letzten drei Nächte schlief sie sogar schon in den Schlafringen bei den anderen Wellensittichen.

Heute Morgen jubilierte ich innerlich, denn ich hatte vor zwei Wochen nicht daran geglaubt, dass das Küki überlebt. Nun saß sie da, sortierte Rindenstückchen von CHIPSI aus einem großen Untersetzer, fraß mit den anderen aus den selben Näpfen oder flog mit ihnen durch den Raum. Zum Mittagessen kam mein Freund bei uns vorbei. Wir kuschelten und spielten mit dem kleinen, frechen Küki, bis es keine Lust mehr hatte und zu den anderen zurückflog. Bis auf das Wetter war der Tag perfekt!

Nach dem Mittagessen rief mein Freund plötzlich: „Schau mal – Violetti!“. Ich rannte sofort zur Voliere: mein kleiner Spatzi lag mit geschlossenen Augen halb auf der Seite auf dem Sitzbrettchen. Mit blieb fast das Herz stehen! Seit Wochen kämpfen wir mit allen medizinischen Mitteln um ihr Leben und ich hatte das Gefühl, dass sie noch Lebensqualität besitzt, so wie sie den Abend zuvor Möhrchen und Gurke geschreddert hatte. Mir schoßen die Tränen in die Augen. Ich bat mein Freund, das Fenster zu schließen, da wir kurz gelüftet hatten, und öffnete die Tür des Käfigs. Wie von der Tarantel gestochen, schoss Violetta von ihrem Sitzbrettchen hoch, wechselte auf ihre Lieblingsschaukel und fing an sich zu putzen. Uns fiel ein Stein vom Herzen! Fehlalarm! Alles gut, Violetti lebt! Volierentür geschlossen, jetzt kann das Fenster wieder auf und wir beginnen das Geschirr abzuräumen. Auf einmal hörte ich einen ungewohnten fiependen Laut…

Um kurz vor 14 Uhr bekam Küken Pulcina völlig unerwartet und ohne vorherige Anzeichen einen kurzen, aber heftigen Krampfanfall. Ich habe sie aus dem Käfig genommen, meinem Freund in die Hand gelegt, um ihre verkrampften Füßchen und zitternden Flügelchen zu massieren und parallel die Tierärztin anzurufen. Noch bevor es ein Freizeichen gab, entspannten sich alle Muskeln und Küki schlief ruhig in der warmen Hand meines Freundes ein…

Da mein Freund zur Arbeit musste, wandte ich mich an seinen Vater. Er hatte mir schon vor zwei Jahren, als Piumina und Antonella verstorben sind, angeboten, meine Tiere auf seinem Grundstück zu begraben. Damals hatte ich abgelehnt, da ich meine beiden Hennen so beerdigen konnte, dass ich die Stelle vom Balkon meiner jetzigen Wohnung aus sehen kann. Da mein Freund und ich aber derzeit nach einem „größeren Wellizimmer“ Ausschau halten und ich die Gegend sicher bald verlassen werde, kam ich auf das Angebot zurück. Der Vater meines Freundes, selber Tierhalter, kam sofort vorbei, holte Küki und mich ab und suchte in seinem Garten den wohl schönsten Platz für ein kleines Grab aus: eine Efeubedeckte Stelle zwischen einem großen Flieder und einer wunderschönen Rosenhecke. Im Nieselregen beerdigten wir Küken Pulcina.

Auf dem Rückweg dachte ich über die Phrase „Happy End“ nach. Irgendwie ist es das… ein Ende, aber ein glückliches. Eigentlich sollte es heute ein schöner Beitrag werden anlässlich der zweiten Woche nach ihrem Einzug. Ich bin sehr traurig, dass Pulcina nicht mehr da ist und gleichzeitig bin ich glücklich, dass wir vor zwei Wochen auf halber Strecke kehrt gemacht haben, um sie zu holen. Wir haben alles getan, um ihr die schönsten zwei Wochen ihres Lebens zu bereiten.

Es gab auf Facebook viele liebe und tröstende Kommentare auf die Nachricht über Pulcinas Tod. Ein Mitglied der Gruppe Wellensittiche -Senioren&Handicaps formulierte es besonders schön:

Wisst ihr, manchmal kämpft man und versucht alles, um auch den Zwergen mit schlimmen Startschwierigkeiten ein Leben zu ermöglichen, und dann ist ihnen dennoch keine lange Zeit vergönnt – das erscheint einem einfach verdammt unfair. :'( Aber gleichzeitig finde ich es immer tröstend zu wissen, dass diese Würmchen noch einmal Liebe, Fürsorge und ein richtiges Leben haben durften – da zählt nicht die gelebte Zeit, sondern wie diese Zeit war. Kükie hatte das Glück, dass ihr ihr diese Chance gabt und sie hat sie genutzt. Es war zwar nicht lange, aber immerhin durfte sie noch einmal wissen, wie man sich als Welli fühlen sollte und wie Federlose auch sein können. […]

Zuhause angekommen, habe ich die Quarantänevoliere leergeräumt, das kleine Küki-Häuschen geputzt und auch die andere Voliere nochmals gereinigt, da ich den Anblick der Rindenstückchen nicht ertragen konnte, die Küki noch vor wenigen Stunden durch die Gegend geworfen hatte. Auf dem Weg zum Müllhäuschen brach die Wolkendecke auf und die Sonnenstrahlen verwandelten die Regentröpfchen auf den Grashalmen der Wiese und den Blättern der Bäume und Sträucher in Abermillonen kleiner, glitzernder Diamanten. Ich blieb stehen und atmete tief in meine vor Tränen und Trauer schmerzenden Nebenhöhlen ein. Im Beutel zwischen dem Einstreu entdeckte ich eine winzige grüne Feder. Ich nahm den kleinen, letzten Gruß von Pulcina und legte mir das Federchen in den geöffneten Handballen. Sie leuchtete Smaragdgrün und funkelte im Abendlicht. Ein aufkommender Windstoß bließ mir die kleine Feder aus der Hand und trug sie fort. Ich wollte ihr erst nach, verharrte dann aber in der Bewegung… manchmal muss man auch loslassen können.

Lebewohl kleines Küki, wir werden deine süßen Knopfaugen und dein kleines Kämpferherz niemals vergessen! <3 Grüße bitte Pepita, Mäxchen, Piumina und Antonella im Hirseland von uns!

Typische Vorurteile gegenüber Abgabewellensittichen

… und warum sie nicht stimmen! Aus eigener Erfahrung kenne ich die fünf typischen Vorurteile gegenüber Abgabevögeln. Im folgenden Blogbeitrag schreibe ich über ein persönliches  Herzensthema, setze ich mich mit den häufigsten Argumenten auseinander und hoffe, auf diese Weise den einen oder anderen zum Umdenken bewegen zu können.

Nobody is perfect – auch ich hatte bis vor zwei Jahren keine „second hand“-Wellensittiche. Das war keine böse Absicht, sondern passte einfach altersmäßig nicht. Ich wollte außerdem gesunde Tiere, die lange (bei mir) leben und zudem wusste ich auch nicht genau, an wen ich mich hätte wenden können. Ihr merkt es sicher schon: Ich wäre damals die wohl beste Adressatin meines heutigen Blogbeitrages gewesen! 😉

Kurzer Rückblick: Mitte November 2013 zogen nach einigen Jahren „wellifreier“ Zeit Briciolino und Piumina aus einem Zoogeschäft bei mir ein. Nach dem Eingangscheck stand leider fest, dass die junge Henne starken Trichomonadenbefall hatte, an dem sie trotz Behandlung leider im Januar 2014 verstarb. Zu spät nahm ich die Warnung anderer Wellensittichbesitzer ernst, keine Tiere im Zoohandel zu kaufen, um das Leid nicht noch finanziell zu unterstützen!

Da Wellensittiche, wie andere Vögel auch, nicht einzeln gehalten werden dürfen, kaufte ich wieder eine junge Henne – diesmal aber beim Züchter in der Nähe. Die Zuchtanlage durfte ich mir zwar nicht anschauen, angeblich um die brütenden Tiere nicht zu stören, aber ich vertraute auf die guten Feedbacks im Internet. Das auch Chiocciolina gesundheitlich stark eingeschränkt ist und bis heute eine Dauermedikation braucht, merkte ich erst beim Eingangscheck. Klar, das kann auch dem besten Züchter passieren, dachte ich und glaubte an eine Ausnahme. Im August 2014 wollte ich von zwei auf vier Wellensittiche aufstocken und kaufte wieder bei dem Züchter. Bereits im Laden hatte ich ein komischen Gefühl: Die Zuchtanlage durfte ich wieder nicht sehen, das angebotene Tier schien jünger zu sein als angegeben und trotz der Einschätzung des Züchters, es handle sich um einen Hahn, nannte ich die Kleine Antonella – zurecht, wie die Obduktion ergab, denn nach 10 Tagen verstarb die junge Henne überraschend. Grund war ein multiples Organversagen ausgehend von den Nieren. Recherchen ergaben: Im Schwarm des Züchters lebten und vermehrten sich – wohl wissend – Tiere mit PBFD (verständlich erklärt auf birds-online.de: Psittacine Beak and Feather Disease) und ich war bei Weitem nicht die einzige Kundin, die kranke, bzw. nach kurzer Zeit verstorbene Jungvögel gekauft hatte!

Sehr bestürzt über die beiden Verluste innerhalb eines halben Jahres stand ich vor der Wahl: entweder den Wunsch nach zwei weiteren Schwarmmitgliedern zurückstellen und riskieren, dass beim plötzlichen Tod einer meiner beiden Wellis wieder einer alleine zurückbleibt oder… oder es wagen, Abgabewellensittichen eine Chance auf ein (halbwegs) gutes Leben bei mir zu geben. Ich war an einem Punkt angelangt, wo es eh nicht hätte schlimmer werden können! Denn eines hatte ich gelernt: Zoohandel und Züchter, egal wie gut oder schlecht, sind auch keine Garantie für gesunde Tiere.

Ich möchte weder Zoohandel noch Züchter unter Generalverdacht stellen, aber ich hoffe, dass ich mit meinen Erlebnissen bei dir, liebe Leserin oder lieber Leser, drei Dinge erreichen konnte:

  1. Lass dir kein Tier aufquatschen, mache dir ein Bild von der Zuchtanlage und den Elterntieren, höre auf dein Bauchgefühl und unterstütze keine tierquälerischen Zuchtanlagen durch Mitleidskäufe.
  2. Nimm den Eingangscheck ernst und gebe dafür lieber gleich am Anfang 30-60 Euro beim vogelkundigen Tierarzt aus, anstatt für mehrere 100 Euro alle deine Tiere behandeln zu müssen.
  3. Gib Abgabetieren ein Chance! Dass die gängigsten Vorurteile nicht stimmen, erfährst du weiter unten.

Die fünf typischen Vorurteile gegenüber Abgabewellensittichen:

1. Wellensittiche aus zweiter Hand sind immer krank!
Falsch! Wellensittiche aus zweiter Hand werden mit den unterschiedlichsten Begründungen abgegeben, seltenst aber, weil sie Krankheiten haben. Dennoch sollte man grundsätzlich bei Neuzugängen niemals auf den Eingangscheck beim vogelkundigen (!) Tierarzt verzichten, auch wenn man von den Vorbesitzern zu hören bekommt, das Tier sei gesund!

2. Wellensittiche aus Abgaben sind immer alt und leben nicht mehr lange!
Falsch! Da Wellensittiche im Anschaffungspreis sehr günstig zu erwerben sind, gibt es leider sehr viele Menschen, die sich unüberlegt und spontan ein Haustier kaufen, ohne sich der jahrelangen Verantwortung, die ein Tier mit sich bringt, bewusst zu sein. Daheim entpuppen sich die neuen Familienmitglieder als scheu dem ungeduldigen Menschen gegenüber, sind laut und wirbeln jede Menge Federn, Kot und Körner durch die Wohnstube. Ein anderer „Klassiker“ sind ungewollte Zuchten durch Anbieten eines Nistkastens. Auch scheinen einige Eltern machmal zu vergessen, dass Tiere kein adäquates Spielzeug für Kinder sind. Diese Tiere landen in der Regel bereits ein paar Wochen nach dem Kauf im Tierheim oder werden bei ebay Kleinanzeigen verscherbelt. Natürlich gibt es auch traurige Abgabefälle, zum Bespiel, weil sich Menschen wegen gesundheitlicher Probleme von ihren Lieblingen trennen müssen oder weil der Halter verstorben ist. Abgabewellensittiche gibt es daher in allen Altersklassen: von ganz jung bis hin zum Senior! Am besten wählst du ein Tier, dass vom Alter her zu deinem bestehenden Schwarm passt.

3. Wellensittiche aus zweiter Hand werden nicht mehr zahm!
Falsch! Die Zutraulichkeit eines Wellensittichs liegt nicht am Alter, sondern am Halter… und an seinem Charakter. In meinem Videotutorial „Wellensittiche zähmen in fünf Schritten“ siehst du meinen Icaro, einen älteren Abgabevogel, der innerhalb weniger Wochen mit Ruhe und Geduld kleine Tricks und Übungen gelernt hat und mir jetzt regelmäßig „die Haare schön“ macht, wenn er auf meinem Kopf rumhüpft. Außerdem verlieren Wellensittichbabies nach der Jungmauser ihre „Kükenzahmheit“ und sind in jungen Jahren in der Regel viel ungeduldiger, wilder und beim Training weniger konzentriert als ältere Tiere.

4. Bei Abgabewellensittichen weiß man nicht, wo sie herkommen!
Falsch! Wer seinen Wellensittich aus privater Hand übernimmt, sieht sehr wohl, wie das Tier bisher gelebt hat, wie das Verhältnis zum vorherigen Halter war und was die Abgabegründe sind. Bei Tieren aus dem Zoohandel ist das nicht möglich. Wie das ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ und  DER SPIEGEL im April 2015 recherchierten, kommen die meisten Tiere für Zooländen aus dem Ausland, wo sie massenweise zu kommerziellen Zwecken unter schrecklichen Bedingungen vermehrt werden. Natürlich kann auch ein unüberlegt angeschaffter Abgabevogel unter solchen Verhältnissen geschlüpft sein, aber durch die Zeit beim Vorbesitzer bekommt man in der Regel mehr Informationen über das Tier und eventuelle Krankheiten als im Zoohandel oder beim Züchter.

5. Abgabewellensittiche gibt es nur im Tierheim!
Falsch! Die Ausrede, dass man ja gerne einem Abgabetier eine Chance geben würde, das nächste Tierheim allerdingst zu weit weg läge, gilt seit der Erfindung des Internets nicht mehr! Täglich wird ebay Kleinanzeigen deutschlandweit mit neuen Anzeigen geflutet – ein Blick lohnt sich daher immer! Des Weiteren gibt es Vermittlungsforen, über die man per Schutzvertrag Wellensittiche bekommen kann. Als Beispiel seien hier die Seiten www.welli.net (Forum für private Wellensittichhalter) und www.vwfd.de (Verein der Wellensittich-Freunde Deuschland e. V.) aufgeführt. Wer in der Nähe eines Tierheims wohnt, kann selbstverständlich auch dort nach Abgabewellensittichen fragen. Der Vorteil bei guten Tierheimen ist, dass die Tiere oft schon tierärztlich untersucht worden sind und daher Angaben zu eventuellen (chronischen) Krankheiten vorliegen.

Last, but not least gibt es deutschlandweit viele private Pflegestellen von engagierten Papageienhaltern, die ehrenamtlich und auf eigene Kosten Tiere in Not aufnehmen, Eingangschecks sponsorn und Mitfahrgelegenheiten organisieren, um Abgabetieren eine zweite Chance in einem besseren Haushalt zu ermöglichen. An dieser Stelle vielen, vielen Dank an alle, die sich für Abgabetiere aller Art engagieren, die ihre Zeit opfern, denen kein Weg zu weit ist und keine Kosten zu hoch sind!

HINWEIS: Wer Vermittlungswellensittichen helfen will, selber aber keine Tiere aufnehmen möchte, kann zum Beispiel den Verein der Wellensittich-Freunde Deutschlands (VWFD) e. V. beim Shoppen auf amazon & Co. ohne zusätzliche Kosten ganz nebenbei unterstützen. Besucht dazu die Partnerseiten, wie zum Beispiel amazon, über die angegebenen Links und die Partnerorganisationen überweisen pro Bestellung einen Betrag auf das VWFD-Konto. Die Rechnung wird dadurch nicht höher! Setzt daher einfach ein Browser-Lesezeichen auf diese Seite und besucht die VWFD-Partner nur noch über diese Links. Mehr Informationen zu den Spenden erhaltet ihr beim VWFD e. V.


NEU: Wir sind jetzt auch auf Facebook unter: https://www.facebook.com/wellensittiche.blog.videos/ und über folgende Domain zu erreichen: www.wellensittiche-blog.de

Die richtige (Käfig-)Einrichtung

Die richtige Einrichtung zu finden ist gar nicht so einfach und dabei kann auch vieles schiefgehen! Diese Erfahrung habe ich in der letzten Woche machen müssen.

Alles fing Anfang April an, als ich meine Wellensittiche mal wieder eine neue Einstreu testen lassen wollte. Da ich sowieso jeden Tag meine Voliere sauber mache, verbinde ich das Wechseln der Einstreu gerne mit einem neuen Anreiz zum Spielen und Suchen; diesmal testete ich CHIPSI Ultra. Durch die verschiedenen Materialien bleibt auch der Käfigboden für meine Wellensittich immer interessant und regt an, den gesamten Innenraum zu nutzen.

Nach meinem Paket-Dilemma beim letzten Versuch wog ich mich diesmal in dem Glauben ein ganz ausgebufftes Füchschen zu sein und bereitete meinen Freund bereits vor dem Bestellprozess mental darauf vor, dass das Päckchen wieder bei dem charmanten jungen Mann aus dem Späti zur Abholung bereitliegen wird. Mein Lieblingspaketdienst hat nämlich, zumindest wenn man nicht davon betroffen ist, eine durchaus belustigende Firmenphilosphie: Grundsätzlich werden zu den unmöglichsten Zeiten ahnungslose Nachbarn mit Klingelstreichen ärgert, um dann mit dem Paketen den Verschwindibus zu machen, bevor jemand öffnet.

Völlig gelassen harrte ich also der Dinge, die da kommen… oder eben nicht! Nach vier Wochen fragte ich beim Versender nach, ob denn mein Paket schon auf den Weg gebracht worden sei. Dies wurde überrascht bejaht und ich erhielt eine Tracking-Nummer, die ich sogleich überprüfte: DRINGENDER HANDLUNGSBEDARF! stand da in großen roten Buchstaben mit dem Hinweis, dass meine Sendung bereits seit Wochen bei „meinem“ Späti liegt. Ich fühlte mich unter Druck gesetzt! „Schaaahaaatz?“, fragte ich vorsichtig bei meinem Freund an, „du liebst doch meine Wellensittiche, oder?“ Er witterte die Fangfrage: „Was muss ich tun?“

In einer Halsüberkopfaktion, die eher an ein Überfallkommando erinnerte, stürmte ich wenig später in den Späti, während mein Freund in zweiter Reihe ein Hubkonzert über sich ergehen lassen musste. Nach einer Predigt des Ladenbesitzers wusste ich beim Herauskommen dann alles über seine Lagerhaltung, den Aufwand des Zurücksendens, die Last der vielen Pakete, die er tagtäglich in Empfang nimmt und seinen Cousin dritten Grades…

Mit dem Auto daheim angekommen, setzte mich mein Freund mit dem Paket vor der Haustür ab und fuhr weiter zur Arbeit. Beglückt von dem Gedanken, dass ich meinen Wellensittichen gleich etwas Abwechslung bieten kann, stolperte ich auf dem Weg zum Hauseingang fast über ein kleines Hoppelhasi. „Was für ein süßes Kaninchaaaa… AAAAHHH!“, stieß ich hervor und wäre um Haaresbreite in einen toten Spatz getreten, der auf der Treppe zur Haustür lag. Wer mich kennt, der weiß, mein Tag war gelaufen! Ich kämpfte innerlich mit mir: Überwinde ich meine Angst und begrabe das Tier oder lass ich den Sperling liegen und lasse wohlmöglich noch einen Nachbarn reintreten? Nach einer gefühlten halben Stunde tat ich das einzig Richtige…

Fix und fertig kam ich oben an. Bereits auf dem Hausflur erschallten die lieblichen Stimmchen meiner hungrigen Wellensittiche… ein Wunder, dass meine Nachbarn noch nie die Polizei gerufen haben! Freudig kamen mir meine Tiere entgegengeflogen, als ich das Zimmer betrat. Oder war es eher panisch? Ich hatte einen komischen Geruch in der Nase…

Zwei Tage zuvor hatte ich bereits das Gefühl, dass in meiner Küchenecke irgendetwas nicht ganz frisch riecht, woraufhin ich meine Kochnische grundreinigte und desinfizierte. Doch nun war der Gestank penetranter und intensiver denn je. Verweifelt tat ich das, was alle jungen Menschen machen: ich googelte. Unter den Keywords „Kühlschrank stinkt nach toter Oma mit Tomate“ wurde ich endlich fündig: mein Kühlschrank ist vermutlich kaputt! Gut, zu dieser Erkenntnis wäre ich wohl auch gekommen, wenn ich einen Blick in das weiße Häufchen Elend geworfen hätte, das seinen Geist -zumindest dem abgetauten Kühlfach nach- schon vor einigen Tagen aufgegeben hatte. Nach einer ausgiebigen Recherche auf sämtlichen Immobilienseiten war klar: Umziehen stellt bei den derzeitigen Mietpreisen keine Alternative zum Neukauf eines Kühlschranks dar. Was ich an diesem Abend noch nicht wusste: wir hätten uns lieber doch ein neues Nest suchen sollen!

Am nächsten Tag marschierte ich zwischen Arbeit und Fitnessstudio wie selbstverständlich zum Elektrofachmarkt und kaufte mal eben einen Kühlschrank. Die Entscheidung fiel mir sehr leicht, da die Küche „Marke Eigenbau“ von der Wohnungsgenossenschaft sich an keine gängigen Normen hält und nur einer der Kühlschranke „so ungefähr“ passen könnte… wenn man die Füßchen runterschraubt, den Deckel abnimmt und hier und da eine Schraube weglässt. „Schwören Sie“, und dabei schaute ich den Verkäufer eindringlich an, „Schwören Sie beim Leben Ihrer Mutter (!), dass dieser Kühlschrank passt?“ Natürlich, alles sei total easy – Kühlschrank wird angeliefert, hingestellt und ich muss nur noch den Stecker reinstecken! Apropos anliefern, ich will doch, dass der Kühlschrank gegen Aufpreis mit Express am übernächsten Morgen angeliefert wird, oder? Schließlich sind ja da noch die Feiertage… Nicht zum ersten Mal in dieser Woche fühlte ich mich irgendwie unter Druck gesetzt. „Schaaahaaatz?“, fragte ich abends am Telefon vorsichtig meinen Freund, „du liebst doch meine Wellensittiche und MICH, oder?“ Er seuftzte: „Was muss ich tun?“

20160508_124127_resizedAls ich am nächsten Tag nachmittags nach Hause kam, war mein Freund dabei die Seitenwände meines Küchenschranks auseinanderzunehmen. Natürlich fragte ich halb inquisitorisch, halb besserwisserisch: „Schaaatz, also wenn du den alten Kühlschrank mit dem Kabel rausbekommen hast, wieso bekommst du den neuen Kühlschrank nicht mit dem Kabel rein?!“ „Hab ich nicht“, dabei blickte er mich mit seinen großen blauen Augen an und grinste, „ich hab das alte Kabel durchgeschnitten!“ Ich frage lieber nicht, ob er vorher daran gedacht hatte, den Stecker zu ziehen…

Man hatte damals von Seiten der Genossenschaft die Küchenzeile um den Kühlschrank herumgebaut, das Kabel eingemauert (!) und die Steckdose vom Kühlschrank mit einer geschlossenen Einbauwand voneinander getrennt, sodass man nicht „einfach mal so den Stecker ziehen“ konnte. Um es kurz zu machen: Die folgenden drei Tage war mein Freund damit beschäftigt, die Küche der Wohngenossenschaft auseinander zu nehmen und die Küchenzeile wieder zusammenzusetzen… Und natürlich war der neue Kühlschrank darüber hinaus trotz aller Maßnahmen noch einen Zentimeter zu groß!

20160508_132845_resized

Meine Wellensittiche schimpften lautstark, da sie während der Umbauarbeiten nicht raus durften, und ich war den Tränen nahe. Ich hatte eh schon kaum Platz in der Küchenecke und nun auch noch das! Am Abend hatte ich mich immer noch nicht eingekriegt und wetterte gegen alles und jeden. Sollte doch ganz Charlottenburg, ach was rede ich, ganz Berlin erfahren, was für einen blöden Kühlschrank ich hatte!

20160508_231549_resizedNachdem ich sämtliche Familienmitglieder in meine Probleme eingeweiht und damit eine regelrechte Pilgerwanderung in meine Küche ausgelöst hatte, kam abends auch der Vater meines Freundes vorbei. Er schmiss sich kurzerhand auf den Boden, sprang wieder auf, trat einmal fest gegen das weiße Ungetüm, so dass die Wellis fast von ihren Schlafschaukeln purzelten… und der Kühlapparat saß unschuldig in dem ihm zugewiesenen Platz, als hätte er nie etwas anderes gemacht!

 

Tierhaltung heißt Verantwortung

Tiere haben einen sechsten Sinn, wenn man einen Tierarztbesuch plant. Moment – ich spezifiziere! Während die Jungs aufgrund mangelnder Sensibilität nichts checken, riechen die Mädels schon Tage vorher die Lunte: Chiocciolina tritt in den Hungerstreik, Antonia kriegt nervöse Angstzustände, Violetta bekommt Durchfall… und ich zeige alle drei Symptome!

Die Tage werden länger, draußen grünt und blüht es und eigentlich müsste ich beim Anblick meiner Balkondeko richtig gute Laune haben – eigentlich! Denn immer, wenn man glaubt, jetzt sind alle Wehwehchen ausgestanden, kommt es noch schlimmer. Das sind die Momente, vor denen sich jeder Tierbesitzer fürchtet: Erst ist es nur ein leiser Verdacht, eine kleine Verhaltensveränderung, die einem auffällt, dann gibt das Röntgenbild die traurige Gewissheit: Briciolino hat einen inoperablen Tumor!

Nur wenige Tage zuvor unterhielt ich mich mit Bekannten auf einem Papageienstammtisch über Wellensittiche und meinte noch, dass alle meine Tierchen irgendein Leiden hätten, nur mein kleiner „Zooladen-Hahn“ nicht, obwohl man gerade dort am ehesten eine profitorientierte Zucht unterstellen könnte. Wie es das Schicksal will, fiel mir ein paar Tage später bei Briciolino auf, dass seine Zehen am linken Ständer nicht mehr richtig zugriffen und taub zu sein schienen. Zwar hätte es auch eine Überdehnung oder Verletzung der Bänder sein können, da der Kleine zu diesem Zeitpunkt an diesem Fuß noch beringt war, aber mein Instinkt sagte mir etwas anderes. Es ließ mir keine Ruhe und so motivierte ich in meiner Mittagspause meinen Freund kurzerhand zu einem „Familienausflug“. Da wir eh einen halbjährlichen Check mit Krallenschneiden und Verlaufskontrollen bei Chiocciolina und Violetta planten, wollten wir bei der Gelegenheit nicht nur Briciolino, sondern gleich alle Wellis mit zu unserer Tierärztin nehmen.

Mein perfider Plan war folgender: Mein Freund sollte nicht nur den Transportkäfig vorbereiten, sondern auch alle sechs Wellensittiche einfangen, somit für alle Ewigkeit bei ihnen verkacken und ich komme nach der Arbeit ganz entspannt nach Hause, solidarisiere mich mit meinen armen Tierchen, befreie sie nach dem Tierarztbesuch aus ihrem Elend, spendiere Einmal Hirse für alle! und lasse mich als Heldin feiern!

Ich mach’s nicht spannend: FEHLANZEIGE! Der Chatverlauf mit meinem Liebsten sagt wohl alles…
Screenshot_2016-04-24-18-40-41
…und ihr könnt euch denken, wer mal wieder die Böse sein musste! Beim Tierarzt angekommen, machte ich mich auch da unbeliebt – aber was hatte ich erwartet, so kurz vor dem Ende der Sprechzeit mit sechs Wellensittichen?

Bei Briciolino wurde erstmal der Ring abgenommen und auf Verdacht auf Nierenentzündung behandelt. Eine Woche später wurde dann das Röntgenbild von meinem kleinen Schreihals angefertigt und brachte die traurige Bestätigung: er hat einen Hodentumor. Die Chefin riet mir von einer OP ab, da sich an dieser Stelle eines der Hauptadern befindet und die Überlebenschancen bei nur 20 % liegen. Sie empfahl mir unter Vollnarkose einen Hormonchip setzen zu lassen. Briciolino wurde noch am selben Abend operiert und konnte am Folgetag abgeholt werden. Bis Mittwoch macht der lebhafte Wellensittichhahn noch im Quarantänekäfig den Kolibri und muss sein Baytril trinken, dann darf er wieder zu den anderen. Der Chip muss, wenn er gut anschlägt und das Tumorwachstum stoppt, alle 8-10 Monate ausgetauscht werden.

Seit September war ich in wechselnder Begleitung mindestens einmal im Monat in der Vogelpraxis. Daher ist es mir eine Herzensangelegenheit euch nochmal darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist, sich über die häufigsten Krankheitssymptome bei Wellensittichen zu informieren, um RECHTZEITIG einen Tierarzt aufsuchen zu können. Auch möchte ich als Vogelpraxis-Premium-Platin-Kundin darauf hinweisen, dass die Tierhaltung – egal ob Hund, Katze oder eben Wellensittich – ein sehr teures Hobby ist. Bitte überlegt es euch daher vor der Anschaffung, ob ihr in der Lage seid, mehrere 100 Euro im Jahr an Behandlungskosten zu tragen. Tierhaltung heißt Verantwortung! Und die Verantwortung fäng da an, wo der Spaß aufhört und die Tierhaltung Geld kostet!

An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner Mutter und bei meinem Vater für die moralische Unterstützung, den Fahrservice und den finanziellen Support in 20 Jahren Wellensittichhaltung bedanken. Vielen, vielen Dank, Mama und Papa! Selbstverständlich gilt mein Dank auch meinem Freund, der weiß, wie wichtig mir meine Tiere sind, im Notfall immer für uns da ist, verstorbene Wellis würdevoll beerdigt, mich in solchen Situationen tröstet und einer Wohnung mit extragroßem und lichtdurchfluteten Wellensittichzimmer zustimmt! Danke an meinen kleinen Bruder, der eine verlässliche Urlaubsvertretung ist und der sich in meiner Abwesenheit gewissenhaft um meine Tiere kümmert. Einen großen Dank auch an das Team der Ziervogelpraxis von Frau Dr. Kling, die im Notfall auch außerhalb der Öffnungszeiten für ihre gefiederten und federlosen Kunden da sind.    

Wellensittiche beschäftigen

Auch diese Woche habe ich keine Kosten und Mühen gespart, um meine Tapete zu retten… äh, meine Wellensittiche artgerecht zu beschäftigen! Nachdem ich vor zwei Jahren das Gartencenter in den Wahnsinn getrieben habe mit der Bestellung einer ungespritzten Bio-Korkenzieherhasel und sich letztes Jahr der Mitarbeiter nach der einstündigen Beratung über Möhrensamen mit „viel Grün und wenig Möhre“ beinahe mit dem nächstbesten Tonuntersetzter erschlagen hätte, wollte ich diese Woche einen weiteren Versuch starten mich dort beliebt zu machen.

In einer Wellensittichgruppe hatte ich Tage zuvor von einem Schnäppchen gelesen: jemand hatte für wenig Geld einen riesigen Korkenzieherhaselast erworben. Artig gratulierte ich zum gelungen Kauf, obwohl mich innerlich der Neid zerfraß: Vorm geistigen Auge sah ich meine Wellensittiche schon glücklich piepsend auf dem Ast spielen – klar, dass ich deshalb auf Recherche ging!

Im Gartencenter hatte ich -wohl Dank der Jahreszeit- Glück: neben vielen kleineren Ästen fand ich dort noch einen großen Korkenzieherhaselast. Die Freude darüber verflog aber rasch, nachdem ich einen Blick auf das Preisschild geworfen habe. Der Zwiespalt in mir wurde immer größer, je dichter ich mich der Kasse näherte. Da entdeckte ich eine kleine Bruchstelle an einem Nebenast. Der kleine Sparfuchs auf der einen Seite der Schulter zische mir zu: „Handle, wie du noch nie gehandelt hast…hehehe [an der Stelle müsst ihr euch jetzt die übelste Gängsterlache vorstellen, Anm. d. Red.].“ Als ich bei der Kassiererin einen Rabatt aushandeln wollte, hörte ich von der anderen Seite der Schulter Bruce Darnell tröten: „More drama, baby!“ Eine dreiviertel Stunde später und eine Odyssee durch so ziemlich alle Abteilungen entschied sich das Management, dass es unwirtschaftlicher sein mit mir weiter zu verhandeln, als mir einfach 30 % Rabatt zu geben… 😀

IMG_4831Um einem möglichen schlechten Gewissen vorzubeugen, habe ich gleich für etwas Osterdeko auf meinem Balkon gesorgt. Mein Prof in BWL würde sagen, es ist am Ende für alle eine Win-Win-Situation gewesen. Sparfüchschen, Bruce und ich konnten also zufrieden mit der Beute nach Hause gehen.

Wie jedes Naturspielzeug musste auch dieser Äst nach dem Abkochen und Desinfizieren erstmal drei Tage in „Quarantäne“. Seit gestern ziert die Korkenzieherhasel mein Zimmer. Da meine Wellensittiche durch täglich wechselnde Beschäftigungsideen an neue Dinge gewohnt sind, haben sie den neuen Spielplatz innerhalb einer Stunde angenommen und erkundet.

Apropos Beschäftigungsmöglichkeiten: nach dem Blog Gähnende Langeweile? Nicht mit diesen Tipps und Tricks habe ich die Ruhe genutzt und endlich den zweiten Teil des Videos erstellt. Viel Spaß beim Film! 😉

 

Erlebniseinstreu für Wellensittiche

Der Beutel CHIPSI Forest Fresh und ich hatten den wohl schlechtesten Start seit es Mensch-Sack-Beziehungen gibt. Wie sich am Ende alles zum Guten wendet und warum ich die waldige Erlebnisstreu dennoch wärmstens empfehlen kann, lest selbst!

Wer meinen Beiträgen und Video-Tutorials regelmäßig folgt, der wird sicher schon bemerkt haben, dass meine Wellensittiche und ich Fans von CHIPSI Extra XXL* sind. Das grobe Buchenholzgranulat ist geradezu perfekt für Futtersuchspiele und auch auf dem Käfigboden um die Trink- und Futternäpfe herum hält es diese sandfrei, wenn meine Rabauken mal wieder erst baden und dann mit ihren nassen Latschfüßen durch den Sand hüpfen.

Da nicht nur draußen die ersten Krokusse, sondern auch drinnen der Hormonüberschuß meiner Wellensittiche den Frühling ankünden, bin ich derzeit ständig auf der Suche nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten – zum Schutz meiner Tapete… und meiner Nerven! Was wäre da also besser, als die Spielplätze und Futterstellen etwas aufzupeppen? Nachdem ich vor zwei Jahren mit dem Waldboden-Überstreu eines bekannten Futtermittelherstellers so ziemlich auf die Nase gefallen bin, hatte meine Experimentierfreude diesbezüglich abgenommen. Die Überstreu bestand zu mehr als zwei Dritteln aus Sägespänen, die jedes Mal durch das gesamte Zimmer wirbelten, wenn sich ein Vogel im Käfig bewegte. Neben dem höllischen Dreck machte es eine Bodenfütterung so gut wie unmöglich, da sich keiner mehr auf den Boden traute aus Angst vor dem Sägespän-Orkan!

Als ich letztes Wochenende auf der Suche nach neuen Ideen durch das World Wide Web streifte, entdeckte ich CHIPSI Forest Fresh*, ein Rindeneinstreu-Mix, der laut Hersteller sogar für Großpapageien empfohlen wird. Ich, aus Erfahrung nicht nur ein neugieriger, sondern auch kritischer Mensch, habe mich beim Hersteller erkundigt: CHIPSI Forest Fresh soll zu 100 % aus dem Holz europäischer Mischwälder bestehen – genauer gesagt, kommt das Basismaterial aus der Schweiz [Jodelahiti!, Anm. d. Red. 😉 ]. Durch ein ausgeklügeltes technisches Verfahren werden die Späne so getrocknet, sodass sie nicht stauben und optimale Hygiene gewährleisten – für mich eine Grundvoraussetzung, da ich –wie in 1-Zimmerwohnungen üblich- im selben Raum lebe, esse und schlafe wie meine Tiere. „Natürlich sorgen regelmäßige Labortests dafür, ein gleichmäßig hohes Qualitätsniveau sicherzustellen“, schreibt mir CHIPSI Heimtierstreu. Ich bin beruhigt und lasse mich auf das Experiment ein!

Gesagt, getan – ein paar Tage später begrüßt mich der typisch gelbe Zettel meines Lieblingszustellunternehmens bereits an der Haustür. Dass in einem Haus mit 63 Mietparteien keiner mein Paket annehmen wollte, wunderte mich nicht, denn die Woche zuvor kam meine amazon-Bestellung in fünf Einzellieferungen. „Strafe muss sein!“, dachte sich sicher auch der Paketbote und teilte mir auf besagtem Zettel mit, dass sich das Päckchen in dem von meinem Wohnort am weitesten entfernten Internet Café befände. Am nächsten Tag fuhr ich erwartungsvoll dort hin. Dass das Wetter umschlug, störte mich wenig, sah ich die Welt an jenem Abend im wahrsten Sinne des Wortes durch die „rosarote Brille“: meine neuen pinken Brillenbügel stimmten nun auch mich auf den Frühling ein!

Gebrüll riss mich aus meinen Gedanken: Vor dem Laden stritten zwei Männer in einer mir nicht mächtigen Sprache. Der eine drohte mit Fäusten und trat wütend mit den Füßen in die Luft. „Jetzt nur schnell in den Laden“, dachte ich und noch während ich selbigen betrat, entpuppte sich ebendieser Mann als der Ladenbesitzer. „Ausweis!“, blafft er mich an, als ich nach meinem Paket fragte. „Eh, Alter, was’n das???“, startete er seine Charmeoffensive und guckte ungläubig zwischen mir und dem Ausweisbild hin- und her, „Auf‘m Foto siehte besser aus, ey, voll so ohne Brille, ne?“ Sichtlich erfreut über seine kluge Erkenntnis ging er nach hinten, um mein Paket zu holen. Zugegeben, ich hatte mir den 6 kg-Sack CHIPSI Forest Fresh irgendwie kleiner und leichter vorgestellt und fragte, ob ich nur die Ware mitnehmen könnte, da das Paket sehr unhandlich war. Kaum hatte ich mein Heimtierstreu vom Karton befreit, grinste er mich an: „Karton kann ich nicht entsorgen, musste mitnehmen!“ Ich klemmte mir meine Handtasche unter die Achsel, schnappte mir den sperrigen Karton und schulterte mehr schlecht als recht die 30 Liter Rindeneinstreu. „Du blöder Sack“, murmelte ich beim Verlassen des Internet Cafés – wobei ich in dem Moment selbst nicht genau wusste, wem diese Worte (mehr) galten.

Nach einer Odyssee durch die Rush Hour des Berliner U-Bahnsystems kam ich endlich in meiner Straße an. Nur noch 800 m Fußweg trennten mich jetzt noch von meiner Wohnung… NUR 800 m? Merklich erschöpft kämpfte ich gegen das vom einsetzenden Nieselregen immer schwerer werdende sperrige Verpackungsmaterial, gegen das Gewicht auf meiner Schulter und gegen die Erdanziehungskraft, die auf meine Handtasche wirkte. Den Blick starr auf mein Haus gerichtet und die Fingernägel in Pappe und Plastiksack gekrallt, schleppte ich mich die Straße entlang. Da passierte es: Der Beutel mit dem Heimtiertreu reißt auf und panierte mir nicht nur die Haare mit dem Rindenmix, sondern sorgte gleich noch für eine großflächige Aufforstung der Berliner Innenstadt.

Endlich in meiner Wohnung angekommen, sah ich aus wie ein verschwitzter, strubbliger kleiner Waldschrat. Zu meinem Entsetzen war ich aber nicht die Einzige, die an diesem Abend dringend ein Bad nötig hatte: Fröhlich piepsend und nießend wurde ich von sechs staubigen Wichteln empfangen. In meiner Abwesenheit hatten meine Wellensittiche nicht nur einen guten halben Meter Tapete geschreddert, sondern gleich noch die Wände vom Zement befreit. Gleich morgen früh werde ich die Spiel- und Futterplätze mit der verbliebenden Waldstreu aufpeppen und so für mehr Abwechslung sorgen, hoffte ich. Eines weiß ich aber jetzt schon: CHIPSI Forest Fresh bekommt in der Kategorie „ERLEBNIS-Einstreu“ bereits vor dem Produkttest die volle Punktzahl! 😉

Erfahrungsbericht: „Waldmix, Sand und Buchenholz – Käfigeinstreu für Wellensittiche“

* Affilate-Links/Werbelinks (amazon); mehr Produkte unter Produktempfehlungen.

Wellensittiche zähmen leicht gemacht

Vor ein paar Wochen habe ich nach langer Zeit mal wieder einen Kinderfilm gesehen: „Drachenzähmen leicht gemacht“. In der Geschichte geht es darum, dass ein kleiner Junge einen Drachen findet und mit viel Geduld sein Vertrauen gewinnt.

Kaum ein Thema wird in Wellensittich-Foren so kontrovers diskutiert wie das Zähmen von Wellensittichen. Das ganze Spektrum an Meinungen ist dort vertreten: von „lasst die Tiere ganz und gar in Ruhe“ bis hin zum zwanghaften Vorzähmen in Einzelhaft. Wer hofft, dass sein Wellensittich – egal mit welcher Methode – anhänglich wie ein Hund wird, den muss ich nun leider enttäuschen, denn Wellensittiche sind Fluchttiere. Im Gegensatz Hunden oder Katzen, die klassische Beutegreifer sind, sichert der Fluchtinstinkt den kleinen Australiern in der Natur das Überleben. Aber nicht nur die Flucht, sondern auch der Schwarm bieten dem Vogel Sicherheit. Daher ist vom Vorzähmen in Einzelhaft dringend abzusehen! Ob ein Wellensittich zu seinem Halter Vertrauen fasst und auch mal „kuscheln“ kommt, hängt einzig und allein vom Charakter des einzelnen Tieres ab – da hilft auch Einzelhaltung nicht! Um gleich mit noch einem hartnäckigen Vorurteil aufzuräumen: das Alter des Tieres spielt keine Rolle.

Ich sehe es jeden Tag auf’s Neue in meinem Schwarm: Während Violetta, Filuzzo und Icaro (alles ältere Abgabewellis) schon nach wenigen Wochen zu mir kamen, brauche ich seit zwei Jahren bei Chiocciolina ohne Gurke, Hirse und Möhre erst gar nicht ankommen, dabei ist sie die Einzige, die ich habe, seit sie 7 oder 8 Wochen alt ist!

Zurück zum „Zähmen“: Per Definition des Dudens, bedeutet zähmen, einem Tier seine Wildheit zu nehmen. In Wikipedia heißt es darüber hinaus: „Zähmung bezeichnet die Anpassung des Verhaltens von Wildtieren an die Bedürfnisse des Menschen“. Wenn man sich in Wellensittich-Gruppen umhört, dann kommt man noch zu einer dritten Definition: „Ich möchte, dass sich mein Wellensittich wie ein Plüschtier verhält, mit dem ich kuscheln und spielen kann, wo und wann es mir gefällt“. Noch immer kaufen viele Eltern ihrem Nachwuchs einen Wellesittich, in dem Glauben, es sei ein kleiner lustiger Spielgefährte für das Kind. Nach ein paar Wochen findet man diese Tiere dann auf ebay Kleinanzeigen wieder – wenn sie Glück haben!

Warum also diese Überschrift? Ein rhetorischer Trick um die Neugierde zu schüren? Nein! Unter dem Aspekt der Beschäftigung und des Medical Trainings, also dem Trainieren für medizinische Behandlungen beim Tierarzt, ist gegen das „Zähmen“ aus meiner Sicht nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Ich bin nach dem Bauchbruch von Violetta im Oktober 2015 von meiner vogelkundigen Tierärztin dazu aufgefordert worden, meine Tiere täglich „liebevoll zu scheuchen“ und regelmäßig zu wiegen, damit mein Hummelchen von ihren 67 g (!!!) runterkommt. Jedes Mal, wenn ich mit meinem Matheblock Richtung Gardinenstange winkte, hat sich Violetta vor Schreck von oben runterfallen lassen – irgendwie verständlich, meint ihr? Da der Deutschblock und das Italienischwörterbuch allerdings den gleichen Effekt hatten, musste ich mir eine stressfreiere Variante ausdenken und fing an, mit Violetta zu trainieren. Ich rufe, sie kommt und erhält eine Belohnung. Bei Violetta greife ich natürlich nicht zur Hirse, sondern belohne mit Gurke – die liebt sie auch und ist nicht so kalorienreich! Inzwischen kann ich sie von jeder Stelle des Zimmer aus heranrufen, ganz egal ob ich auf dem Boden sitze, auf dem Sofa stehe oder mich am anderen Ende des Zimmers befinde. Es dauerte nicht lange, da machte der ganze Schwarm mit und die 5-Minuten-Übung ist Teil unseres täglichen Rituals geworden. Selbst Antonia und Icaro, die beiden Neuen, flitzen durchs Zimmer, wenn ich rufe.

Damit euer Training nicht nur euch, sondern auch euren Flugsauriern Spaß macht, hier nun einige wichtige Regeln:

  1. Lasse deine Tiere niemals hungern, um damit schnelle Trainingserfolge zu erzwingen.
  2. Bedränge deine Wellensittiche nicht und achte auf ihre Körpersprache.
  3. Beachte Ruhezeiten.
  4. Respektiere den Käfig als Rückzugsort.
  5. Sei geduldig und übe lieber täglich 2-5 Minuten, anstatt deine Tiere mit langen Trainingseinheiten am Wochenende zu überfordern.
  6. Sei eindeutig in deiner Kommunikation.
  7. Variiere die Übungen und gestalte sie immer wieder interessant.
  8. Höre auf, wenn es am Schönsten ist.

In diesem Sinne: Film ab! 😉

Möchtest du mich unterstützen? Unter Produktempfehlungen habe ich wellensittichgerechte Produkte mit amazon verlinkt. Kaufst du über diesen Link ein Produkt, erhalte ich von amazon eine kleine Provision. Der Preis ändert sich für dich nicht!

Chiocciolina wird 2 Jahre alt!

Ob man nun den Geburtstag seines Haustieres feiert oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Ich jedenfalls freue mich über jedes weitere Jahr, dass ich mit meinen Wellensittichen verbringen kann.

Heute vor zwei Jahren zog Chiocciolina bei uns ein. Der Grund ihres Einzuges war eigentlich kein schöner, denn sie „ersetzte“ die gerade erst verstorbene Piumina. Da Briciolino in einen Futterstreik getreten war, haben wir Chiocciolina quasi in einer Nacht und Nebel-Aktion gekauft. Wer dem Blog regelmäßig folgt, der weiß, dass die kleine Henne bereits von Anfang an mit periodischem Durchfall und Niereninsuffizienz zu kämpfen hat. Vor einigen Wochen haben wir beim vogelkundigen Tierarzt ein Röntgenbild anfertigen lassen und haben nun die traurige Gewissheit, dass nicht nur die Nieren, sondern auch Leber, Herz und Lunge nicht ganz in Ordnung sind. Die Dauermedikation mit Cactus/Crataegutt-Tropfen über das Trinkwasser scheint aber allen zu bekommen. Da es sich um ein unterstützendes Arzneimittel aus der Humanmedizin handelt, habe ich auch mal gekostet – ich glaube, es hätte die Wellis weitaus schlechter treffen können!

Zwar werden die Geburtstagsgäste, Sunny und Purzel, erst in drei Wochen kommen, dennoch gab es heute schon die Geburtstagtorte und Geschenke. Selbstverständlich durften auch die „wilden Nachbarn“ aus der Baumkrone gegenüber auf ein Körnchen vorbeikommen.

Hier noch ein kleines „Best of“ der Bilder von Chiocciolina.

 

Was tun bei Missständen in Tierhandlungen?

Immer wieder liest man in Facebookgruppen oder Tierforen von Missständen in Tierhandlungen, Baumärkten oder bei unseriösen Züchtern. Die Internetgemeinde regt sich auf – zurecht! Leider bleibt es in den meisten Fällen nur bei ein paar Kommentaren, gehandelt wird aber kaum.

Woran mag das liegen? Mir ist aufgefallen, dass das Aufzeigen von Missständen oft von  Unsicherheit begleitet ist. Es wird primär nach Handlungsempfehlungen gefragt. Mit der Antwort „Melde das dem Amtstierarzt“ sind viele (vor allem jüngere) User zu Recht überfordert und belassen es bei dem Post in der Community. Wenn aber bereits in der Zoohandlung (Baumarkt, Züchter) keine artgerechte Tierhaltung vermittelt wird, wie wird es dann erst bei den zukünftigen Tierhaltern aussehen? Gerade Anfänger in der Tierhaltung sind auf die Empfehlungen der Verkaufsstellen angewiesen und orientieren sich daran. Wie geht man also am besten vor, um den Tieren zu helfen?

  1. Bist du in einer Tierhandlung (Baumarkt/Züchter), in der die Tierhaltung in deinen Augen Grund zur Beanstandung gibt, dann dokumentiere die Missstände als erstes mit Beweisfotos. Am besten mit eingeblendetem Datum und Uhrzeit und vergesse nicht, für eine umfassende Dokumentation auch von außen ein Foto vom Geschäft zu machen.
  2. Erkundige dich bei dem Personal nach dem Ansprechpartner für die entsprechende Abteilung. Ist nur ein einzelnes Tier betroffen (weil es zum Beispiel gesundheitliche Probleme hat), kannst du den Zuständigen darauf hinweisen und ggf. fragen, ob man das Tier außerhalb des Verkaufsraums tierärztlich betreuen kann. Ist die Haltung in der Tierhandlung ansonsten in Ordnung und andere Tiere scheinen nicht beeinträchtigt zu sein, wird man dir in der Regel sogar für den Hinweis danken! Gerade in großen Geschäften ist das Personal oft in Verkaufstätigkeiten eingebunden und kontrolliert daher nicht stündlich alle Käfige.
  3. Möchtest du sachliche Kritik an der Haltungsform üben, so konzentriere dich auf die wesentlichsten Punkte. So ein wesentlicher Kritikpunkt kann beispielsweise ein verdreckter oder leerer Futternapf oder verschimmelte Trinkgefäße sein. Auch nicht-tiergerechtes Spielzeug in den Präsentationskäfigen kann Anlass zur Beschwerde geben. Allgemeine Kritik an dem Verkauf von Tieren in Zoohandlungen sowie emotionale Ausbrüche helfen den Tieren vor Ort nicht!
  4. Wenn du freundlich und sachlich bleibst, dann wird dir in der Regel auch freundlich und sachlich geantwortet. Oft bekommt man die Antwort, dass die Entscheider/Filialleitung nicht im Haus sind/ist und man deine Kritik weiterleiten wird. Bedanke dich und erfrage den Namen des Filialleiters und lasse dir die direkte Emailadresse geben. Auch wenn du dich in diesem Moment unwohl fühlst, denke daran: du bist der Kunde und du entscheidest zusammen mit anderen Tierhaltern über die Zukunft dieses Unternehmens!
  5. Solltest du die direkte Ansprache des Personals vor Ort scheuen, dann geh‘ nicht gleich zu Facebook oder in ein Forum, sondern recherchiere die Emailadresse des Unternehmens im Internet. Unter Impressum findest du alle wichtigen Informationen (Name des Geschäftsleiters/ allgemeine Mailadresse).
  6. Per Mail kannst du nun in aller Ruhe von Zuhause aus dein Anliegen formulieren. Achte auch hier auf sachliche Richtigkeit der Darstellung, füge deine Beweisfotos an und setze eine angemessene Frist zur Erfüllung. Da bei der digitalen Kommunikation Mimik und Gestik fehlen, ist hier besonders auf eine höfliche, sachliche und konkrete Ansprache zu achten. Niemand wird gerne verbal angegriffen! Je sachlicher und konkreter deine Hinweise sind, desto eher werden sie umgesetzt!
  7. Warum ist es wichtig eine Frist zu setzen? Bei verschmutzten Näpfen muss häufig Rücksprache mit der Geschäftsführung gehalten werden. Der einzelne Mitarbeiter kann also nicht eigenmächtig handeln. Eine Frist von 14 Tagen ist also angemessen. Solltest du auf deine Mail keine Antwort erhalten haben, dann schau nach Ablauf der Frist nach, ob die Missstände beseitigt worden sind. Sollte dies nicht der Fall sein, so wiederhole deine Bitte per Mail mit etwas mehr Nachdruck und füge die abermals gemachten Beweisfotos bei. Hat der Laden bereits reagiert, dann bedanke dich. Das zeigt, dass du ein aufmerksamer Kunde bist, der dem Geschäft trotz des anfänglichen Missstandes weiterhin wohlgesonnen ist und macht den Laden auch in Zukunft empfänglich für sachliche Kritik.
  8. Was ist denn nun mit dem Amtstierarzt, an den man sich laut vieler Kommentare im Netz immer wenden soll? Meine Erfahrung zeigt, dass dieser Schritt in den allermeisten Fällen nicht nötig ist. Spätestens nach der zweiten Mail sind die Missstände behoben, denn Tierhandlungen leben nun mal von kaufkräftigen Tierliebhabern und können es sich in Zeiten des Onlinehandels und steigender Vernetzung von Tierfreunden in Foren und Interessengruppen nicht leisten, negativ aufzufallen.
  9. Sollten alle Bemühungen nicht helfen, so kann man als Ultima Ratio den gesamten Schriftverkehr inklusive der Beweisfotos an das zuständige Veterinäramt weiterleiten. Das zuständige Amt muss allen Anzeigen (auch den anonymen Hinweisen) nachgehen. Um die Amtstierärzte nicht voreilig mit (kleineren) Missständen in Zoohandlungen (Baumärkten/Züchtern) zu belasten, versuche bitte über die direkte Kommunikation eine Lösung herbeizuführen.

Wie bereits unter Punkt 8 angedeutet, reicht in den meisten Fällen eine Mail. Die unten aufgeführte Mail ging vor einiger Zeit an eine mir bis dahin unbekannte Filiale einer bekannten Tierbedarfskette. Die Reaktion im Laden war zwar freundlich, aber man fühlte sich nicht ausreichend zuständig, um die Missstände sofort zu beheben. Die Antwort auf meine Mail war freundlich und man versicherte mir, dass man zukünftig auf saubere Trinkgefäße achten und alle Tiere zeitnah tierärztlich untersuchen lassen werde. Auch die Küken habe man aus dem Verkaufsraum genommen und mit dem Muttertier separat gesetzt. Eine Kontrolle zwei Wochen später bestätigte mir, dass zumindest Trinknäpfe ausgetauscht und die Küken aus dem Verkaufsraum genommen wurden. Inzwischen (Stand Dezember 2015) ist der gesamte Verkaufsraum tiergerecht umstrukturiert worden und gibt Neulingen in der Tierhaltung einen ersten Eindruck davon, wie Tiere in Bezug auf Platzangebot, Spielzeug und Sauberkeit gehalten werden sollten*.

* Meine persönliche Meinung zum Thema „Verkauf von Tieren in Zoohandlungen/Baumärkten“ halte ich hier bewusst zurück, da es nicht Gegenstand des Artikels ist.

Diese Mail darf gerne als Vorlage genommen werden, wenn du Missstände in Zooläden/Baumärkten/Züchtern entdeckst.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich war am verkaufsoffenen Sonntag, den 15.6.14, in der Filiale *NAME* in *ORT*. Während meines Einkaufs sind mir zwei Dinge sehr negativ aufgefallen:

1. Die Trinkbehälter der Ziervögel sind komplett verschimmelt. (Schwarzer) Schimmel ist für Wellensittiche und Co. nicht nur gesundheitsschädlich, sondern kann den Verdauungstrakt derart schädigen, dass es für die Tiere lebensbedrohlich sein kann! In den Käfigen warteten bereits offensichtlich kranke und erschöpfte Tiere auf einen Käufer.

2. Mir ist bei den Kanarienvögeln ein Jungtier aufgefallen, das – noch nicht flügge – aus dem Nest gefallen ist und somit nicht mehr von seiner Mutter gefüttert wurde. Zudem haben in dem Käfig andere Vögel dem Muttertier durch permanentes Jagen die Fütterung der Küken im Nest erschwert.

Ich bitte ich Sie – auch im Sinne Ihrer Kunden – die kranken Tiere durch einen fachkundigen Tierarzt untersuchen zu lassen. Darüber hinaus gehören für meisten Tierfreunde Brutkästen und Brutmöglichkeiten grundsätzlich nicht in Verkaufsräume und sprechen daher nicht für die Seriosität Ihrer Filiale!

Auf beide Sachverhalte habe ich den zuständigen Mitarbeiter aus der Ziervogelabteilung angesprochen, der dies an die Filialleitung weiterleiten wollte.

Ich – als langjährige *NAME DES LADENS*-Kundin – erwarte, dass Sie meiner Bitte um Auswechslung der Trinknäpfe bis spätestens Freitag, den 27.6.14, nachkommen und den Vögeln zukünftig keine Brutmöglichkeiten mehr in dem Verkaufsraum bieten. Weitere Schritte behalte ich mir vor.

Mit freundlichen Grüßen,

XYZ